: Aus Herausforderung Chance machen

Die Kläranlage Nette ist sanierungsbedürftig und muss erneuert werden – der Niersverband plant den Bau einer der modernsten Kläranlagen Europas mit einem Investitionsvolumen von 71,3 Millionen Euro.

Nettetal. „Das ist schon eine Herausforderung, aber wir wollen eine Chance daraus machen, das ist unsere Strategie“, betonte Dr. Ulrich Otto, zuständiger Abteilungsleiter beim Niersverband, bei der Vorstellung des ambitionierten 71-Millionen-Projekts. Man sei mitten in den Planungen und habe das Projekt mit Baubeginn in 2023 europaweit ausgeschrieben.

„Bis 2028 soll dann eine der modernsten Kläranlagen Europas entstehen“, erklärt Prof. Dietmar Schitthelm, Vorstand Niersverband. Dabei solle die Kläranlage nicht nur komplett erneuert, sondern auch um zukunftsorientierte Technik erweitert werden. „Damit wird es möglich, auch weitere so genannte Mikroverunreinigungen – wie beispielsweise Medikamentenrückstände -, multiresistente Keime und Mikroplastik aus dem Abwasser zu entfernen,“ ergänzt Schitthelm.

Die Anlage in Breyell, 1956 in Betrieb genommen, ist stark sanierungsbedürftig, eine Erneuerung ist unumgänglich, obwohl die Reinigungsergebnisse den aktuellen Gesetzesvorgaben entsprechen. „Unser Verständnis als Dienstleister ist, die Zukunft vorausschauend zu gestalten, möglichst kostengünstig, und eine Sanierung wäre nicht wirtschaftlich“, sagt Dr. Ulrich Otto. Eine besondere Herausforderung stelle der Ab- und Umbau im laufenden Betrieb dar.

Mit dem geplanten Konzept, das die Verfahren Feinsiebung, Aktivkohle- und Membranfiltration berücksichtigt, werden Mikroverunreinigungen und Spurenstoffe, Mikroplastik und multiresistente Keime gezielt entfernt.

Damit rüstet sich der Niersverband für die Zukunft, denn: „Es ist zu erwarten, dass die EU und die Bundesregierung kurz- und je nach Schadstoff mittelfristig entsprechend neue rechtliche Anforderungen an den Rückhalt dieser Stoffe stellen wird“, sagt Otto. Man werde nicht auf den Bescheid zur Veränderung der Klärtechnik warten, sondern jetzt bereits reagieren. Dafür gibt es jetzt auch noch Fördergelder. Otto: „Wir haben einen Antrag beim NRW-Umweltministerium in Höhe von 17,2 Millionen Euro beantragt.“

Somit entsteht in NRW erstmals eine solche Pilotanlage in dieser Größenordnung, mit der natürlich auch eine Reduzierung der Geruchs- und Schallbelästigung einhergeht. „Das ist eins der größten Bauprojekte der nächsten zehn Jahre“, erklärt Schitthelm. „Außerdem sind vier weitere Umbauten von Kläranlagen in Neuwerk, Grefrath, Dülken und Geldern mit einem Investitionsvolumen von rund 230 Millionen Euro geplant.“ Deswegen seien die Erkenntnisse bei diesem Bau so wichtig, auch eine Begleitforschung der RWTH Aachen ist vorgesehen. Und natürlich eine fortwährende Information der Bürger, etwa durch einen Tag der offenen Baustelle.

Auch Bürgermeister Christian Wagner freut die Modernisierung: „Auch die bisherige Anlage führt zur Verbesserung der Qualität des Wassers, und den gesetzlichen Anforderungen wird entsprochen. Aber gut ist auch, dass für die Stoffe, über die wir uns in Zukunft Sorgen machen müssen, Vorsorge betrieben wird.“