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Unsere Serie: Rosige Zeiten: Nur einen Hauch, bitte!

Unsere Serie: Rosige Zeiten : Nur einen Hauch, bitte!

Schon in ihrer frühen Jugend hatte Christa Brüggemann ihrer Großmutter nicht nur über die Schultern geschaut, sondern schon selbst ausprobiert, welche Blüten in der Küche zu verwenden sind. Nicht als Dekoration, nein, sondern als Zutat.

Großmutter bewirtschaftete im französischen Elsass ein Hotel und kochte leidenschaftlich gerne. Die ungewöhnliche Raffinesse: Blüten von Rosen und Lavendel so einzusetzen, dass Lieblichkeit und Eleganz, Duft und Farbe in den Speisen nicht verloren gehen, sondern eher den Glanz der Einmaligkeit fördern. Seither hat auch Christa Brüggemann viel ausprobiert und experimentiert.

 Wie das duftet — die Rose ist mehr als eine Rose.
Wie das duftet — die Rose ist mehr als eine Rose. Foto: Uli Rentzsch

Seit rund 15 Jahren kocht und backt Christa Brüggemann in der Rosenküche. Ihre Ideen und Anregungen gibt sie in Kochkursen weiter. Auch im Kindergarten kann sie dem Nachwuchs die Rosenblüten schmackhaft machen. "Es sind die Blüten, die diese Faszination ausüben", sagt sie, "die Stacheln sind jetzt mal egal, diese Gedanken schiebe ich beiseite." Fast liebevoll
wird sie die Rosenköchin genannt, verschroben nennt sie niemand, man begegnet ihr eher mit Respekt. In ihren Kochkursen wird ländertypisch gekocht, chinesisch oder italienisch, deutsch oder auch afrikanisch — und die Rose fehlt niemals. "Aber immer nur einen Hauch, denn die Kunst ist die Dosierung", sagt Christa Brüggemann.

Aus den Blüten schneidet sie den bitteren Kern heraus, dann lässt sie die Blütenblätter trocknen. Für den Rosenzucker beispielsweise werden die trockenen Blüten mit dem Zucker vermahlen. Schon duftet der Zucker, schon hat er eine rosa Farbe angenommen.

"Nur rot", sagt Christa Brüggemann, "ich nutze nur rote Rosen, wenn ich Blüten beim Kochen verwende." Optik und Geschmack erreichen eine andere Ebene. Rosenzucker, von der Konsistenz dem Puderzucker nah, verfeinert Desserts und Gebäck. Rosenmarmelade erweitert das Frühstück. Wer das Herzhafte bevorzugt, bitte schön: Rosensenf, Rosensalz, Rosenpfeffer, Rosenessig. Die Lobbericherin, geboren in Brilon, ist seit rund drei Jahrzehnten als Yogalehrerin tätig und kennt sich auch in meditativen Sportarten bestens aus. Sie weiß um die Kraft der blühenden Rose in der Kosmetik und in der Heilkunst. "Wer sich die Zeit nimmt, wer die Liebe zum Kochen leben kann, der kann auch verstehen, dass Rosenblüten in der Kochkunst etwas ganz Besonderes sind. Es ist Genuss", sagt Christa Brüggemann.

(Report Anzeigenblatt)