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Polizeiwache Kaldenkirchen: Weg vom 24 Stunden-Dienst

Polizeiwache Kaldenkirchen : Weg vom 24 Stunden-Dienst

Was vor einigen Wochen noch als "Überlegung" im Rahmen der Umorganisation bei der Kreispolizeibehörde die Runde machte, nimmt jetzt konkrete Formen an. Die Polizeiwachen in Kaldenkirchen und Willich sollen nicht mehr rund um die Uhr besetzt sein.

Rein vom Wort her sind sie damit keine Wachen mehr, sondern nur noch Polizeiposten.

Der Abteilungsleiter Polizei, der Leitende Polizeidirektor Manfred Krüchten, beruhigt aber sofort — für den Bürger werde sich nichts ändern. Denn die Verteilung der Streifenwagen — welcher Wagen wo Streife fährt und welcher einen Einsatz wahrnimmt, der gemeldet wird — obliegt schon jetzt der Leitstelle in Viersen, die die Einsätze der Wagen zentral koordiniert.

Wenn eine Wache nachts besetzt ist, dann sind mindestens drei Personen da. Und jede Funktion, so rechnet Krüchten vor, erfordere 6,3 Planstellen. Genau diese Planstellen sollen aber in absehbarer Zukunft weniger werden. Der demografische Wandel trifft auch die Polizei. Es gehen mehr Beamte in Pension als nachrücken. Schon jetzt ist im Kreis Viersen mehr als jeder zweite Beamte über 50 Jahre alt. Im Augenblick gibt es bei der Polizei im Kreis Viersen 398 Planstellen. Spätestens im Jahr 2025 sollen es nur noch 373 sein. Also müsse man frühzeitig beginnen, zu schauen, wie man umorganisieren kann, um auch dann noch alle Aufgaben bewältigen zu können.

Im Jahr 2015 sind in den Nachtstunden im Bereich der Wache Kaldenkirchen 629 Anzeigen geschrieben worden. Die meisten sind durch Anrufe über die 110 entstanden, etliche auch über die Streifenwagen. Genau 51 Mal, so die Statistik, habe zwischen 22 und 7 Uhr ein Bürger auf der Wache eine Anzeige bei dem diensthabenden Beamten erstattet. Die Zahlen in Willich sind ähnlich.

Wenn nun niemand mehr auf der Wache sei, dann könne der Bürger dort klingeln und werde über die Gegensprechanlage mit der Leitstelle in Viersen verbunden. Entweder werde dann ein Streifenwagen geschickt — oder man stelle gemeinsam fest, dass das Anliegen auch am nächsten Tag bewältigt werden könne. Die Beamten, die dann nicht mehr im Nachtdienst gebunden seien, könnten andere Aufgaben übernehmen, die Polizei im Kreis präsenter machen, sagt Krüchten. In Schwerpunkteinsätzen gegen Wohnungseinbrecher zum Beispiel oder bei der Unfall-Prävention.

Ebenfalls ein Thema sind die Räume, in denen Menschen in der Wache ins Gewahrsam genommen werden. Kein Rund-um-die-Uhr-Dienst — kein Gewahrsam. Wer die Nacht in der Zelle verbringt, tut das künftig in Viersen. Dass die anderen Gewahrsame da seien, sei aber gut. Die gerade erst für etwa 350.000 Euro renovierten Räumlichkeiten sollen gezielt dann genutzt werden, wenn man bei Veranstaltungen wie Karneval mehr als die drei Einzel- und eine Sammelzelle in Viersen brauche.

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Den Vorwurf, mit der Renovierung seien Steuergelder verschwendet worden, wenn man die Räume jetzt nicht mehr nutze, lässt Krüchten nicht gelten. "So ein Prozess ist sehr langwierig, vom ersten Antrag bis zur Umsetzung." Er sei, als die Überlegungen zur nächtlichen Schließung auftauchten, nicht mehr zu stoppen gewesen.