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Ausstellung über Viersener Kulturgeschichte in der Villa Marx

Ausstellung in der Villa Marx : „Goldene Jahre“ mit viel Prominenz

„Alle Größen sind hier gewesen in den goldenen Jahren der Festhalle“, zeigt sich Dr. Alexander Grönert als Kurator der neuen Ausstellung „Viersen schrieb Kulturgeschichte – Europäische Musik- und Theaterprominenz nach 1945 zu Gast in der Festhalle“ begeistert. Der Verein für Heimatpflege präsentiert die Schau im „Viersener Salon“.

. „Die Geschichte der goldenen Jahre der Festhalle beginnt 1945, nachdem Viersen im 2. Weltkrieg durch Bombenangriffe ziemlich zerstört wurde“, erklärt Dr. Albert Pauly, Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege, der zum Besuch der Ausstellung in die Villa Marx an der Gerberstraße einlädt. „Es bestand ein politischer Konsens, dass trotz oder gerade wegen der existentiellen Versorgungsnot Kunst und Kultur genauso gefördert werden müssten“, erklärt Pauly weiter. So entstand auch der Slogan „Die Kulturstadt im Grenzland“.

Ein ehrgeiziger Auftrag für Kurator Dr. Alexander Grönert, die Vielfalt so konzentriert in einer Ausstellung visuell darzustellen. „Es ist sehr imposant zu verfolgen, was für eine rege, vielschichtige und beeindruckende Kultur-Geschichte verfolgt wurde“, beschreibt er seine Arbeit, die er mit der Lektüre des gleichnamigen Buchs „Viersen schrieb Kulturgeschichte“ von Gert Holtmeyer gestartet hat. Der Autor hatte vor zehn Jahren das lückenlose Programm der Festhalle dargestellt, auf deren Bühne die europäische Prominenz  der Schauspieler, Regisseure, Orchester, Musiker und Dirigenten zu Gast war. Ja, auch Herbert von Karajan gehörte dazu, genauso wie Sir Thomas Beecham, Gustaf Gründgens, Maria Wimmers, Will Quadflieg, Tilla Durieux und viele andere.

„Kurze Zeit nach der letzten Kriegsbombe spielten 1947 schon die Berliner Philharmoniker in Viersen in einem baulich intakten Haus“, erklärt Grönert, damit hätten andere Städte nicht mithalten können. Als jedoch immer mehr Spielstätten Kultur boten, war die Ära der „goldenen Jahre“ Mitte der sechziger Jahre zu Ende. Ein „Zeitstrahl“ für die Zeit von 1945-1964 verdeutlicht das.

Ebenso dargestellt wird die Baugeschichte der 1913 erbauten Festhalle mit Architekten-Wettbewerb und dem Entwurf von Stadtbaurat Frielingsdorff. Porträts der Künstler, die in der Festhalle zu Gast waren, werden gezeigt: Deutsch, Flickenschildt, Nakamura, Weisgerber, Rothenberger und Sawallisch. Aufführungen des Düsseldorfer Schauspielhauses, die auch in Viersen stattgefunden haben, werden im Bild präsentiert. „Zu hören ist auch die Festhallenorgel dank einer Cassette von Willi Beste“, weiß Albert Pauly. „Zu Künstlern wie Furtwängler, Celibidache, Quadflieg, Tilla Durieux und Gustav Gründgens haben wir vom Deutschlandfunk hörbare Kalenderblätter ausgeliehen.“

„Die Festhalle war auch Ausstellungsort für grafische Kunst bevor es die Galerie gab, außerdem gab es auch Schulausstellungen“, berichtet Kunsthistorikerin Jutta Pitzen von der Städtischen Galerie. Ein holzgeschnitztes Schild weist den Weg zum Aquarium, das in der Festhalle untergebracht war. Auch das Gästebuch  der Festhalle mit großen Namen bietet ebenso spannende Einblicke wie die Autogrammbücher von Alois Klung.

Die Ausstellung, die vom Förderverein Festhalle Viersen unterstützt wird, findet im Rahmen des Themenjahrs „Provinz – Provincie“ des Kulturraums Niederrhein statt. Vorab muss mit Angabe der Kontaktdaten ein Termin vereinbart werden bei Ursula Kramer unter 02162/ 7990 oder ursula.kr@web.de. Es gelten die Corona-Regeln, ein negativer Test ist nicht mehr Voraussetzung. Öffnungszeiten: Donnerstag bis Samstag 15 bis 18 Uhr, Sonntag und Feiertage 11 bis 18 Uhr, Eintritt frei.

Zur Ausstellung ist eine Neuauflage des Buchs „Viersen schrieb Kulturgeschichte“ von Gert Holtmeyer mit englischer Übersetzung erschienen. Das Buch ist auch im Viersener Salon (17 Euro) erhältlich.