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Digitalpaten des Caritasverbandes sind gefragt.

Digitalpaten : Digitalpaten sind sehr gefragt

Auf dieses Angebot haben viele ältere Menschen offenbar gewartet: Die ehrenamtlichen Digital-Paten des Caritasverbandes haben alle Hände voll zu tun – sie helfen seit einigen Monaten beim Umgang mit Smartphone, Tablet oder PC. Und sie suchen Verstärkung.

Diesen Satz haben die Digital-Patinnen und -Paten der Caritas schon häufig in ihren regelmäßigen Sprechstunden gehört: „Mein Enkel hat gesagt, ich soll mir ein Smartphone kaufen…“ Und nun ist das Gerät zwar da, aber die Bedienung gestaltet sich ungewohnt bis kompliziert. Wie schicke ich eine Nachricht per WhatsApp? Wie sende ich einer Freundin das Foto, das ich gerade gemacht habe? Meine Enkelin hat mir ein Bild geschickt – wie kann ich es ausdrucken?

„Wege in die digitale Welt gemeinsam gehen“: Unter diesem Motto unterstützen die ehrenamtlichen „Digital-Paten“ des Caritasverbandes ältere Menschen bei den ersten Schritten. „Oft ist WhatsApp der Ausgangspunkt, das möchten viele können“, berichtet die frühere Lehrerin, die schon vor über 20 Jahren ihren verstorbenen Ehemann übers Internet kennenlernte. Nach einigen Treffen mischt Irmgard Donkels nun viel sicherer in ihrer Freundinnen-WhatsApp-Gruppe mit. „Ich bin ein hoffnungsloser Fall, aber ich bemühe mich“, lacht sie.

Etwa ein Dutzend Frauen und Männer hat Hiltrud Schmitz in den vergangenen Monaten bereits beraten. Digital-Pate Heinz-Josef Pelzer (71) hat mit fünf Senioren ebenfalls schon insgesamt mehr als 20 Termine gehabt. Einer seiner Klienten ist Christian Brüning. „Ich habe mich darüber geärgert, dass ich ein tolles Smartphone habe, aber nur einen Bruchteil der Möglichkeiten nutzen kann“, erzählt der 78-Jährige. Inzwischen weiß er längst, in welchem Ordner er die Fotos findet, wenn er das Handy an den Laptop anschließt. Über seinen Digital-Paten sagt Brüning: „Ihm gebührt ein Riesen-Lob für seine Geduld.“ Heinz-Josef Pelzer wiederum macht sein Ehrenamt viel Spaß: „Ich lerne Menschen kennen, höre ein bisschen ,Vertäll‘ und habe das gute Gefühl, dass ich jemandem helfen kann“, erläutert der ehemalige Mathe-, Technik- und Religionslehrer.

So sieht das auch Thomas Halbe. Mit seinen 60 Jahren ist der selbstständige Unternehmer für IT-Beratung aus Willich derzeit der jüngste Digital-Pate der Caritas. Und genau wie Jutta A. Ysop (74) und Peter Kuczewski (75) weiß er: „Wir könnten unsere Sprechstunde jede Woche machen – der Bedarf ist einfach riesig.“ Derzeit konzipieren die Digital-Paten gemeinsam mit den Gemeindesozialarbeiterinnen Melina Friedrich und Manuela Nazemi-Bogda vom Caritasverband mehrere Informationsveranstaltungen zu den Themen „Digitaler Nachlass“ und „Sicherheit im Internet“.

Hier geht es um den digitalen Fingerabdruck, den ein Mensch hinterlässt, und die Fragen: „Was passiert mit meinen Daten nach meinem Tod? Was muss ich beachten ­– was vorher klären? Brauche ich ein digitales Testament?“

Im März fand bereits ein Tablet-Kurs in der Begegnungsstätte Schiefbahn statt. „Dafür konnten die älteren Menschen Geräte aus einem Medienpool nutzen, der im Rahmen des Projekts Caritas 4.0 durch Fördergelder der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW finanziert wurde“, sagt Melina Friedrich.

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Sowohl in Viersen als auch in Willich suchen die Digital-Patinnen und -Paten der Caritas noch Unterstützung. „Es kommen so viele Anfragen, dass wir unser Team gerne mit weiteren ehrenamtlich Engagierten verstärken würden“, sagt Manuela Nazemi-Bogda. Auch Studenten sind herzlich willkommen.

Kontakt für Willich über das Freiwilligen-Zentrum, Telefon 02154 413270, fwz@caritas-viersen.de.

Die Digital-Paten betonen, dass sie auch selbst immer noch dazulernen. „Wir haben noch nicht alle Computerprobleme der Welt lösen können, aber schon verdammt viele“, schmunzelt Thomas Halbe. Das Ergebnis sind Aha-Erlebnisse für die Ratsuchenden. Christian Brüning beschreibt es so: „Das ist toll. Ich gehe nach Hause – und es klappt.“