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Digitalpaten helfen vor allem älteren Menschen.

Digitalpaten : Wie Digitalpaten helfen können

„Wege in die digitale Welt gemeinsam gehen“: Unter diesem Motto unterstützen ehrenamtliche „Digital-Paten“ des Caritasverbandes ältere Menschen im Umgang mit Smartphone, Tablet oder PC.

Hiltrud Schmitz geht gerne schwimmen. Aber: In vielen Bädern ist der Kauf einer Eintrittskarte nur online möglich. „Dazu muss man nicht nur die App haben, sondern auch das Ticket per Online-Banking bezahlen“, berichtet Schmitz. Für die 80-Jährige ist das kein Problem – sie kennt sich aus mit der digitalen Technik. „Ich habe vor 20 Jahren meinen verstorbenen Mann im Internet kennengelernt“, erzählt sie. Allerdings weiß sie auch: „In meinem Bekanntenkreis möchten sich viele nicht damit beschäftigen.“

Deshalb engagiert sich Hiltrud Schmitz als ehrenamtliche „Digital-Patin“ des Caritasverbandes für die Region Kempen-Viersen. Sie unterstützt ältere Menschen bei den ersten Schritten in die digitale Welt. Einer Bekannten beispielsweise hat sie empfohlen, sich eine E-Mail-Adresse einrichten zu lassen, nachdem die Frau ein iPad geschenkt bekommen hatte. „Erst wollte sie nicht, aber dann habe ich ihr gesagt, dass wir darüber ja Fotos austauschen können. Jetzt hat sie ihr Mail-Postfach und ist dankbar“, erzählt Hiltrud Schmitz. Ihr mache es Spaß, etwas zu vermitteln, fügt sie hinzu. Und: „Ich möchte andere in meinem Alter animieren, sich mit dem Thema zu befassen, sonst wird man ja auch ein Stück abgehängt.“

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Genau das hatte die Caritas während des Lockdowns beispielsweise bei den Gästen der Begegnungsstätte Schiefbahn festgestellt: „Viele Senioren waren sehr unsicher im Umgang mit der digitalen Technik“, berichtet Melanie Genz vom Caritasverband. In Willich sind bisher Jutta A. Ysop und Peter Kuczewski als Digital-Paten aktiv. Einige Senioren haben sie bereits unterstützt: Mal ging es um die ersten Schritte bei der Einrichtung eines neues Laptops oder Tablet-PCs, mal ums Telefonieren mit dem Smartphone oder das Schreiben von Nachrichten mit „WhatsApp“, mal um die Teilnahme an einer Online-Videokonferenz. Jutta A. Ysop hatte sich im Freiwilligenzentrum Willich des Caritasverbandes gemeldet, weil sie bei solchen Themen helfen wollte. „Ich bin ein Technikfreak“, lacht die 73-Jährige.

Da die Digital-Paten „auch keine 20 mehr“ seien, finde der Kontakt auf Augenhöhe statt – das sei etwas anderes, als wenn die Enkel den Großeltern etwas vermitteln wollten, findet Caritas-Gemeindesozialarbeiterin Manuela Nazemi. Der Bedarf an digitalem Know-how werde jedenfalls zunehmen in einer Zeit, in der Banken zunehmend Filialen schließen oder Familien und Freunde per Videokonferenz miteinander in Kontakt bleiben. Digital-Patin Hiltrud Schmitz hat kürzlich einer Freundin eine Zeitschrift auf dem Tablet gezeigt. „Das fand sie spannend, und darüber hat sie Interesse an der Technik bekommen“, erzählt sie. Das sei häufig so, weiß Caritas-Gemeindesozialarbeiterin Melina Friedrich. Die Idee zum Digital-Paten-Projekt sei zwar aus der Corona-Not geboren worden, reiche aber weit darüber hinaus, sagt sie: „Wenn die Leute sehen, welche Möglichkeiten es gibt und wie einfach es ist, über das Internet an Informationen zu kommen, dann erkennen sie: Die digitale Welt bedeutet Lebensqualität – gerade in Pandemiezeiten.“