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Neue Landesbauordnung gegen Schottergärten

Thema Schotter und Vorgärten : Es hat sich ausgeschottert

Zum neuen Jahr gibt es eine Neufassung der Landesbauordnung: Und zwar die Definition von Schottergärten - und damit Klarheit für klimaangepasste Gestaltung von Gärten.

Es hat sich ausgeschottert: Die am 1. Januar 2024 in Kraft getretene Neufassung der Landesbauordnung NRW bringt erstmals eine klare Definition für sogenannte „Schottergärten“ – „und schafft damit Klarheit für die klimaangepasste Gestaltung von Gärten und somit einer dem Allgemeinwohl dienenden Flächennutzung“, so Linnéa Foerster vom städtischen Team Umwelt und nachhaltige Stadtentwicklung im Geschäftsbereich Stadtplanung.

Hintergrund: Bereits in der Vergangenheit mussten unbebaute Flächen rund um Häuser laut Landesbauordnung in Nordrhein-Westfalen „begrünt und wasseraufnahmefähig gestaltet“ sein. Die Aktualisierung des Gesetzes definiert jetzt aber den Begriff „Schottergarten“ und konkretisiert damit das „Schottergartenverbot“. Klare Kante: Erstmals werden Schotter und Kunstrasen explizit als nicht zulässige Gartengestaltung benannt.

Schwarz auf Weiß – konkret regelt der Paragraph 8 der Landesbauordnung Folgendes:

„Die nicht mit Gebäuden oder vergleichbaren baulichen Anlagen überbauten Flächen der bebauten Grundstücke sind als Grünflächen 1. wasseraufnahmefähig zu belassen oder herzustellen und 2. zu begrünen oder zu bepflanzen, soweit diese Flächen nicht für eine andere zulässige Verwendung benötigt werden. Schotterungen zur Gestaltung von Grünflächen sowie Kunstrasen stellen keine andere zulässige Verwendung … dar.

Linnéa Foerster: „Eine Begrünung der Freiflächen ist natürlich besonders im Siedlungsbereich wichtig. Begrünte Flächen tragen zu einem ausgeglichenen Klima bei, fördern die Verdunstung und Aufnahme von Niederschlägen und werden auch deswegen im Zuge der Klimaerwärmung immer wichtiger. Außerdem ist eine naturnahe Gestaltung des Gartens ein wichtiger Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt.“

Schotterflächen wirken sich dagegen nachgewiesenermaßen negativ auf das Klima im Wohnumfeld aus, da sie sich stärker erwärmen. Geschotterte Flächen haben eine geringere Verdunstungsleitung – was zum einen am fehlenden oder mangelnden Bewuchs liegt; zum anderen wird durch geschotterte Oberfläche und auch durch den Einbau von Folien oder Geotextilen die Kapillarität des Bodens (Aufsteigen von Flüssigkeiten in engen Röhren, Spalten oder Hohlräumen) negativ beeinflusst. Schotter und Kunstrasen weisen kaum Bodenleben auf – und verringern somit die Reinigungsleistung und den Schadstoffabbau für die anfallenden Niederschläge über dem normalerweise vorhandenen belebten Bodenfilter. Andersherum: Wer Tragschichten und oder Schutzfolien zur Bekämpfung von unerwünschten Wildkräutern einbaut, reduziert die Versickerungsmöglichkeiten von Wasser, was natürlich vor allem bei den immer häufiger vorkommenden Starkregen zu Problemen führt.

  • Die Helfer*innen bei der Pflanzaktion.⇥Fotos: Schützenbruderschaft
    Engagement : Bruderschaftler pflanzten Narzissen
  • Bürgermeisterin Sabine Anemüller (4. von links)
    Neues Areal : Alter Tierpark eingeweiht
  • Roland Ehlen aus Süchteln initiierte bereits
    Klima-Projekt : Idee von „Kyras Blütenwiese“

Udo Hormes vom Team Umwelt und nachhaltige Stadtentwicklung: „Meist werden dies Schottergärten ja in der Hoffnung angelegt, Pflegeaufwand zu reduzieren. Das relativiert sich meist aber schon nach kurzer Zeit, wenn durch Staub und Laub die ersten Kräuter wieder lebensfähiges Substrat vorfinden – und dann spontan Pflanzen wachsen.“

Geeignete Alternativen zu Schottergärten, so das Team, sind naturbelassene Gärten oder Beete, die mit Stauden und Gehölzen bepflanzt werden, die insgesamt wenig Pflege benötigen – und schöner ist es sowieso, wie das Team mit Vorher/Nachher-Bildern vom „Vorgarten“ am Schwarzen Pfuhl eindeutig belegt.