: Geschichte des Karnevals

Die Vortragsreihe „Forum Orts- und Regionalgeschichte“ startete in das Jahr 2020 mit einem Vortrag über die Geschichte des Kölner Karnevals.

Georg Neuhausen vom Heimatkreis Lank konnte rund 50 Interessierte in der Lank-Latumer Teloy-Mühle zum Vortrag des ehemaligen Kulturbeauftragten der Stadt Meerbusch, Thomas Cieslik, begrüßen. Cieslik, gebürtiger Kölner, heute wohnhaft in Krefeld, hat sich ganz der Geschichte des Kölner Karnevals und dessen historischen Karnevalsliedern verschrieben.

Sein Vortrag „Fastelovend zesame – Lieder und Verzällcher zur Geschichte des Kölner Karnevals“ räumte zu Beginn auch erst einmal mit der Legende auf, dass bereits seit der Zeit der alten Römer Karneval gefeiert würde. Diese hatten zwar in bestimmten gesellschaftlichen Kreisen eine Vorliebe für Orgien, bei denen auch Masken getragen wurden, um im Schutze der Anonymität verbotene Aussagen zu tätigen und Kritik äußern zu können, die unter Strafe standen. „Mit Karneval nach heutigem Verständnis hatte dies allerdings noch nichts zu tun“, betonte Thomas Cieslik.

Dementsprechend klaffte nach Ende der Römerzeit auch erst einmal wieder eine Jahrhunderte lange Lücke bis sich schließlich im späten Mittelalter der Karneval als christliches Volksfest etablierte. Aber auch hier war der Kontext zunächst nicht einfache Freude und der Wunsch zu feiern. Stattdessen waren die Umzüge auf den Straßen von den Gaffeln (Berufsgenossenschaften/Bruderschaften) organisierte Machtdemonstrationen. Zu diesen Gelegenheiten wurde sich auch zunehmend verkleidet, um Kirchenvertreter und die Mächtigen der Gesellschaft ungestraft parodieren zu können und damit auf Missstände hinweisen zu können.

Über die folgenden Jahrhunderte bis in die Neuzeit hinein wurde hieraus die heute bekannte Institution des Kölner Karnevals, mit seinen Umzügen und Sitzungen. Regelmäßig mussten sich die Karnevalisten Verboten, Maskensteuern, Vermummungsverboten und weiterem stellen sowie Bewährungsproben bestehen.

Mit der Reform von 1823 wurde der Kölner Karneval für das 19. Jahrhundert „fit gemacht“ und das Festkomitee Kölner Karneval (frivol „FKK“ genannt) gegründet, welches bis heute der offizielle Veranstalter ist. Frauen waren allerdings damals im Karneval nicht anzutreffen, schließlich „hatten diese im öffentlichen Leben nichts verloren“, wie Cieslik aus historischer Quelle zitiert. Hieraus ist zu erklären, dass die kölsche Jungfrau traditionell von einem Mann dargestellt wird. Lediglich 1938/39 musste diese auf Anweisung der NSDAP von einer Frau dargestellt werden.

Die Anwesenden konnten Thomas Ciesliks Ausführungen entnehmen, dass der Karneval sich auch regelmäßig aus sich selbst heraus in eine „Sackgasse begibt, aus der er sich dann in der weiteren Folge auch wieder selbst befreien muss“. Strukturen etablieren sich und „verkrusten“ mit der Zeit, Veranstaltungen werden zunehmend elitärer. „Das ist dann nichts für junge Leute“, so Cieslik. Zuletzt erst hat eine solche „notwendige Erneuerung“ stattgefunden, nachdem die Bläck Fööss die Karnevalsbühne im Jahre 1970 erstmals betraten, für damalige Verhältnisse unkonventionell in Straßenkleidung und mit nackten Füssen.

Thomas Cieslik sorgte selbst während seines Vortrag immer wieder für Auflockerung, in dem sich seine Gitarre nahm und historische Karnevalslieder für das Publikum intonierte. „Däm Schmitz sing Frau es durchgebrannt“, „Trizonesien-Song“ und einige mehr animierten das Publikum zum Mitsingen. Natürlich wurde auch hier von Cieslik immer der historische Kontext des Stückes erklärt, sowie offengelegt, welche Begebenheiten in den Liedern humorvoll auf die Schippe genommen wurden.