: Liebesgeschichte mit Tiefgang

Die Meerbuscher Autorin Alizée Korte hat einen neuen Roman geschrieben. „Zum Horizont führt keine Treppe“ ist gestern, 26. September, erschienen. Ein Interview mit der Autorin.

Drei Jahre nach Ihrem Debüt stellen Sie nun mit „Zum Horizont führt keine Treppe“ Ihren zweiten Roman vor. Was ist das für ein Buch?

Sie können den Roman „Zum Horizont führt keine Treppe“ im Newadult-Genre verorten. Ein Liebesroman mit Protagonisten unter dreißig, die gerade erst ihren Platz im Leben finden. Sie müssen ihre ersten gescheiterten Pläne verarbeiten, finanziell unabhängig werden und sich entscheiden, was für eine Art Partnerschaft sie wollen. In meinem Roman kommen noch die Behindernisse durch die Querschnittlähmung meines Protagonisten und einige Rätsel um den verstorbenen vorigen Freund meiner Protagonistin hinzu. Bestehen die beiden die Herausforderungen oder treibt das Leben sie auseinander? Die Geschichte ist spannend, berührend, unterhaltsamer als das Schicksal des Protagonisten vermuten lässt und – wenn ich meinen Testleserinnen Glauben schenken darf – echt.

Was interessiert Sie speziell an dem Thema Behinderung?

Gute Frage. Vielleicht die Unfähigkeit der Nicht-Behinderten, anders darüber nachzudenken als an etwas, das sie auf keinen Fall betrifft. Tatsächlich ist unsere Chance, irgendwann im Leben eine Behinderung davonzutragen, gar nicht so klein.

Zentrale Schauplätze sind Heidelberg, Mannheim, aber auch Meerbusch und die griechische Insel Naxos. Warum haben Sie sich für diese Handlungsorte entschieden?

An fast allen diesen Orten habe ich selbst gelebt. Über Griechenland zu schreiben, ist allerdings eine Hommage an meinen verstorbenen Verlobten. Er war Halbgrieche und liebte speziell die Inselwelt der Kykladen.

Ihr Buch erscheint ohne großen Verlag im Hintergrund. Warum?

Tatsächlich hatte ich Anfang des Jahres darüber nachgedacht, mich mit dem Manuskript bei Verlagen zu bewerben. Doch dann kam Corona. Die Leipziger Buchmesse fiel aus, die Buchhandlungen waren geschlossen. Verlage hatten Schwierigkeiten, die Bücher ihrer Bestandsautoren an die Leser zu bekommen. Gleichzeitig nutzten viele Menschen im Lockdown die Gelegenheit, endlich ein Buch zu schreiben. 2020 ist nicht das beste Jahr, um auf Verlagssuche zu gehen. Aber zum Glück gibt es ja die Möglichkeiten des Selfpublishings. Über das Internet bin ich gut vernetzt mit anderen Autorinnen, Bloggerinnen und natürlich mit meinen Leserinnen. Da gibt es viel Austausch. Man braucht heute keinen Verlag mehr, um erfolgreich zu publizieren.

Richtet sich Ihr Buch speziell an junge Menschen?

Meine Zielgruppe sind in erster Linie Frauen, die gern Liebesgeschichten mit Tiefgang und starken Charakteren lesen. Das sind sehr häufig Frauen in ihren Dreißiger und Vierzigern, aber auch ältere oder jüngere, die einfach gern in Geschichten mit der richtigen Mischung aus Drama und Romantik eintauchen. Ich habe auch männliche Leser, die es interessant finden, dass mein querschnittgelähmter Protagonist ausgerechnet Karatelehrer ist, und die dann überrascht sein, dass ein Roman über Liebe nicht kitschig sein muss.

Wenn Sie sich etwas von ihren Leserinnen und Lesern wünschen könnten, was wäre das?

Wenn ihr Menschen mit Behinderung seht, sagt ihnen nicht, was sie nicht tun können. Dass ein Rollstuhlfahrer kein Karate unterrichten kann. Dass eine Frau ohne Beine kein Bikini-Model sein kann. Dass ein Blinder keine Filme synchronisieren kann. Das glaubt ihr! Aber diese Menschen mit Behinderung wissen es besser. Wir müssen lernen, ihnen mehr zuzutrauen, ihnen mehr zu vertrauen.