: Warten auf den Landregen

Der nur mäßige Regen macht unseren Landwirten zu schaffen, lässt den Boden staubtrocken zurück und die Ernte geringer ausfallen. Auch unsere Wälder leiden unter dem trockenen Wetter. Der Extra-Tipp hat sich bei der Kreisbauernschaft und der Stadt Meerbusch nach der aktuellen Lage und einer möglichen Prognose erkundigt.

Der Himmel ist strahlend blau. Regenwolken lassen sich in den vergangenen Wochen nur vereinzelt blicken. Für viele Menschen mag das sonnige Wetter in Zeiten von Corona ein Segen sein, locken die warmen Temperaturen doch raus in die Natur. Was dem Gemüt aktuell gut tut, bereitet den Landwirten allerdings große Sorge. „Der Boden in unserer Region ist extrem trocken, hinein bis in die tiefen Schichten“, sagt Wolfgang Wappenschmidt, Kreisvorsitzender der Kreisbauernschaft Neuss-Mönchengladbach. „Über zwei Monate konnte kein Regen tief in den Boden durchdringen.“ Deshalb muss der Landwirt nachhelfen und sein Getreide selbst bewässern. „Ob es sich wirtschaftlich lohnt? Wohl eher nicht, aber mir bleibt nichts anderes übrig.“

Ein Landregen sei genau das, was die Landwirte nun brauchen, um ihre Ernte „retten“ zu können, weiß Wappenschmidt. „Einzelne Schauer bringen da nicht viel, sie sind nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Aber dennoch sind einige Schauer besser als gar kein Regen.“

Während Landwirte im besten Fall in jedem Jahr wieder von vorne anfangen können, sieht es für den Wald jedoch anders aus. Die Bäume in den Wäldern weisen einen deutlichen Feuchtigkeitsmangel auf. „Besonders Flachwurzlern fällt es schwer, an Wasser heranzukommen. Dadurch sind sie in ihrem Wachstum gehemmt“, erklärt Michael Reschke vom Servicebereich 11 der Stadt Meerbusch, zuständig für die städtischen Wälder.

Auch die Baumneupflanzungen haben massive Probleme, sich weiterzuentwickeln, weiß Michael Reschke. Werden Bäume nicht mit ausreichend Wasser versorgt, werde ihre Lebensqualität deutlich schwächer und sie seien gleichzeitig anfälliger für Schädlingskrankheiten. Kein Regen, der den Boden und das Laub befeuchtet, bedeutet auch eine hohe Waldbrandgefahr. „Diese ist aktuell extrem hoch“, weiß er. „Weggeworfene Zigaretten und Glasflaschen können rasend schnell zu einem Waldbrand führen.“

Von den rund 530 Hektar Waldfläche in Meerbusch sind etwa 220 Hektar städtischer Forst – wie der Herrenbusch zwischen Lank-Latum, Ossum-Bösinghoven und Strümp. Da es sich dabei zu 99 Prozent um Laubwald handelt, spielt die aktuelle Borkenkäfer-Plage in Meerbusch keine Rolle. „Wir haben hier dafür vermehrt mit Eschentriebsterben oder der Rußrindenkrankheit beim Ahorn zu tun“, berichtet Michael Reschke,

Rund 21 Prozent des städtischen Waldes bestehen aus Eschen, das Eschentriebsterben bedroht die Baumart so sehr, dass deren Fortbestand gefährdet ist. „Wir machen im 10-Jahres-Rhythmus eine so genannte ‚Forsteinrichtung‘, also eine Inventur in unseren Wäldern. Dabei verschaffen wir uns einen Überblick über die Arten, den Bestand und das Alter der Bäume. 2013 hatten wir noch rund 40 Hektar Eschen im Meerbuscher Stadtwald. Die nächste Inventur wird also 2023 fällig. Es ist aber jetzt schon abzusehen, dass wir deutlich weniger Eschen im Stadtgebiet haben werden“, sagt Revierförster Johannes Kemper.

Rußrindenkrankheit

tritt vermehrt auf

Auch die Rußrindenkrankheit, die den Ahorn befällt, tritt vermehrt auf. Auslösend und begünstigend für die Verbreitung der Krankheit war vor allem der Hitze- und Trockenstress der vergangenen Jahre. „Der Klimawandel und die damit einhergehenden Wetterbedingungen begünstigen die Verbreitung von Pilzen und anderen Schadorganismen“, berichtet Kemper.

Städtischer Wald gut
aufgestellt

Generell sieht er den städtischen Wald aber gut aufgestellt. „Wir haben in vielen Bereichen bereits naturnahe Mischbestände, die die Schäden besser kompensieren können. Außerdem haben wir in einigen Bereichen nachgepflanzt“, sagt Kemper weiter.