1. Städte
  2. Mönchengladbach

Ausstellung in der Frauenberatungsstelle Mönchengladbach

Frauenberatungsstelle in Mönchengladbach feiert mit Ausstellung : Ja, uns gibt’s – seit 35 Jahren!

35 Jahre Frauenberatungsstelle in Mönchengladbach – das ist Grund zu feiern, ein guter Anlass für eine berührende Ausstellung zum Thema Gewalt in Beziehungen, vor allem aber Ansporn, weiterzumachen.

Die Bilder von Illustratorin Slinga, die zurzeit in der Frauenberatungsstelle ausgestellt sind, bewegen. Sie sind bunt, wirken auf den ersten Blick fröhlich, wie Comics, gehen aber tief, vor allem bei Betrachter*innen, die selbst schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Es sind Szenen einer Beziehung, mit Sprechblasen über einem monströsen „Partner“, die all das ausdrücken, was kaputt macht: Kontrolle, Abwertung, Isolation, Manipulation, Drohungen... Auf die „große Liebe“ folgen schleichend Mikroangriffe, dann zunehmend übergriffiges Verhalten bis hin zu Gewalt und Mord. Jede vierte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens Gewalt durch den eigenen Partner, so die Forschung. Die Dunkelziffer will man sich nicht einmal ausmalen.

Genau deshalb gibt es seit 1988 die Frauenberatungsstelle in Mönchengladbach, hervorgegangen aus der Arbeit des Frauenhauses Rheydt. Von 1,5 vom Land NRW geförderten Personalstellen 1997 hat sich das Team auf inzwischen drei Stellen gesteigert. „Ist das viel?“, fragt Silvia Henke eher rhetorisch. Irgendwie sei man doch steckengeblieben, immer noch nicht zu 100 Prozent finanziert und auf Spenden angewiesen. „Und warum?, überlegt sie weiter. „Vielleicht, weil wir nur Frauen sind, die etwas für Frauen machen? Vielleicht ist da doch ein Zusammenhang, vielleicht sind wir zu bescheiden und werden deshalb kurzgehalten...?“

Wie wichtig die Arbeit des „Empowerment-Teams“ der Frauenberatungsstelle Mönchengladbach ist, betont Oberbürgermeister Felix Heinrichs. „Die Gleichheit der Geschlechter ist immer noch nicht hergestellt“, sagt er und bezieht dabei auch nicht-binäre Menschen ein. Sozialdezernentin Dörte Schall lobt die Arbeit der Damen in der Frauenberatungsstelle. „Sie sind wichtige Lotsinnen im System. Man kann immer zu ihnen kommen, egal, mit welchem Problem, und sie leiten einen an die richtigen Stellen.“ Für die Gleichstellungsbeauftragte Sarah Günther schließlich ist die Frauenberatungsstelle „ein wichtiger Bestandteil“ bei der Umsetzung des Grundrechts auf ein gewaltfreies Leben, wie es in der Istanbul-Konvention verankert ist.

Das Team der Frauenberatungsstelle blickt zurück auf die Anfänge mit vom Frauenhaus unabhängiger Beratung, als Silvia Henke manches Mal dachte „Ja, uns gibt’s!“, bis heute, da sie sagt: „Wir machen das weiter!“, einfach, weil es nötig ist. Immer noch. „Was wäre das für eine Welt, ohne Gewalt gegen Frauen...?“, fragt Susanne Büdenhölzer-Boms und erklärt: „Wir brauchen diese Utopie. Auf die nächsten 35 Jahre!“