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Hauptausschuss stimmt Smart-City-Strategie einstimmig zu.

Mönchengladbach soll smarte city werden : Welche Lösungen passen zu uns?

Wenn eine Stadt „smart“ werden soll, dann heißt das effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver. Genau das will Mönchengladbach und ist damit Modellprojekt mit finanzieller Förderung. Über den aktuellen Stand der Planung informierten gestern Stadt, NEW und mags.

Smart mobil sein, das könnte heißen, mit einer Kombi aus Fahrrad, Bus und Car-Sharing mit wenig Aufwand von A nach B zu gelangen, vielleicht geplant von einer App? Ein smartes Büro könnte eins sein, in dem Sensoren die Luftqualität messen, und bei Bedarf öffnen sich automatisch die Fenster. Vielleicht könnte auch der Verkehr digital beobachtet und die Ampeln so geschaltet werden, dass keine Staus entstehen. Das alles ist Zukunftsmusik, die aber Realität werden soll. Mönchengladbach soll smart werden und nimmt dazu an einem siebenjährigen Modellprojekt (Modellprojekte Smart Cities) teil, mit einer Förderung des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen von 15 Millionen Euro.

Bevor die Stadt smart wird, muss erstmal eine „Struktur“ dafür geschaffen werden. Das klingt trocken und ist es für Laienohren wohl auch zunächst. Smart-City-Projektleiterin Kira Tillmanns und Martin Platzer, Leiter der städtischen Stabsstelle Transformation und Innovation, dagegen, geraten geradezu ins Schwärmen bei dem Thema. Seit Januar 2021 haben sie mit bis zu 70 Kolleg*innen in Workshops getüftelt, Online-Bürger-Plattformen ausgewertet und Ideen gesammelt. „Wir haben den Bürgern erstmal zugehört, um herauszufinden, was ihre Hürden und Probleme sind“, sagt Kira Tillmanns. Zudem hat das Team Wissen gesammelt über digitale Technologien und darüber nachgedacht, was davon zur Stadt passt.

Insgesamt 45 Maßnahmen hat das städtische Team bereits erarbeitet, mit Berücksichtigung von Bürgerwünschen, die auf Wochenmärkten und im Internet gesammelt worden sind. Dass für smarte Lösungen Daten gebraucht werden, etwa, um zu ermitteln, wieviele „Bürger*innen eine bestimmte Strecke mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen möchten, und dass diese natürlich anonymisiert werden, ist Teil der Überlegungen.

Am schnellsten Realität werden können smarte Lösungen im Bereich ÖPNV, denn die NEW tüftelt bereits. „Der Bus, der nach einem festen Fahrplan fährt und an einer Haltestelle mit Pfosten hält, muss nicht die einzige Art sein, den ÖPNV zu nutzen“, sagt NEW-Vorstand Frank Kindervatter. Das alles könne auch eine App leisten. „Eine Haltestelle zu verschieben, müsste dann keine Baumaßnahme mehr sein“. Die Messung von Bewegungsprofilen könnten zudem Aufschluss darüber geben, ob bestimmte Linien nicht überdacht werden müssen. „Die Linie 019 ist für mich so ein Klassiker“, so Kindervatter, „sie fährt vom Marienplatz bis zur Eissporthalle Grefrath. Ich möchte den sehen, der dieses Mobilitätsbedürfnis hat“. Welches Mobilitätsbedürfnis zum Beispiel im Bereich Rheindahlen Land besteht, dürfte schon bald der Busverkehr on demand (auf Abruf) zeigen, der dort versuchsweise eingeführt wird.

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Im Bereich der mags gibt es auch schon ganz konkrete Ideen. „Wir können mit Sensoren die Bodenfeuchte ermitteln“, so Vorstandsvorsitzender Hans-Jürgen Schnaß. In Zeiten des Klimawandels könnte so Gießwasser, etwa für städtische Bäume, gespart werden. Zu einer Art realem „Versuchslabor“ sollen Bunter Garten und Rheydter Stadtwald werden. mags will hier Bewegungsströme der Besucher*innen messen, um die Parks so zu verändern, dass sie den Menschen mehr Aufenthaltsqualität bieten.

„Das alles muss erstmal ausprobiert werden“, so Oberbürgermeister Felix Heinrichs. Und alle sind sich einig: Die smarte Stadt darf kein Selbstzweck sein, sie muss wirklich Verbesserungen schaffen.

Im Hauptausschuss gestern wurde die erarbeitete Smart-City-Strategie einstimmig verabschiedet.