: Neuroradiologie ist vernetzt

Die Kliniken Maria Hilf bilden das gesamte interventionelle neuroradiologische Spektrum ab – ein Alleinstellungsmerkmal für den Raum Mönchengladbach. Wie über eine App namens JOIN jetzt Ärzte, auch anderer Kliniken, und niedergelassene Ärzte davon profitieren – der Extra-Tipp hat Prof. Dr. med. Adrian Ringelstein, Sektionsleitung Neuroradiologie, gefragt.

Herr Prof. Ringelstein, wie funktioniert JOIN?

Über JOIN erfolgt eine verschlüsselte Versendung von Patientendaten. Das Produkt greift dabei nicht auf die gespeicherten Kontakte auf dem mobilen Endgerät zu. Eine Zuordnung der Bilder zu einem Patienten ist nur dem versendenden Behandlungsteam in der Klinik – innerhalb der Firewall– möglich und nicht dem Bildbetrachter. Datensätze werden mit einem komplexen Algorithmus automatisch anonymisiert versendet und nach einer vom Krankenhausträger definierten Zeit gelöscht.

Was war für Sie die größte Herausforderung dabei, JOIN zu etablieren?

Die Herausforderung bestand darin, unsere Spezialkompetenz anderen Krankenhäusern und den niedergelassenen Kollegen in der Region zur Verfügung zu stellen. Je kleiner die teilnehmende Einheit, desto schwieriger ist es, das gesamte Spektrum der medizinischen Expertise abzubilden. Mit Join und den Experten am anderen Ende steht aber eben sehr viel medizinische Expertise auf Abruf zur Verfügung.

Wer profitiert von diesem Netzwerk – und wie?

Es profitieren alle Nutzer, welche sich zusammensetzen aus den Niedergelassenen und den ärztlichen Kollegen im kleineren oder größeren Umfeld. Wir sind somit in der Lage, bei Diagnosen in fünf oder in 5000 Kilometern Entfernung quasi live behilflich zu sein.

Haben niedergelassene Ärzte denn das nötige Equipment? Ist das nicht sehr teuer, bedarf der Schulung und einer starken Internetleitung?

Die technische Installation übernehmen wir. Für die teilnehmenden Praxen sind Anbindung und Nutzung des Netzwerks kostenlos. Unabdingbare Voraussetzung ist, dass die Praxis über einen Internetanschluss verfügt und einen von uns vorbereiteten Laptop, der zurzeit noch ein DVD-Laufwerk benötigt, weil die meisten radiologischen Praxen Bilder noch auf DVDs brennen.

Beschreiben Sie bitte einen Fall, in dem JOIN zum Einsatz kommt.

Ein typischer Fall läuft folgendermaßen ab: Eine Patientin klagt über Schwindel und geht mit den Beschwerden zu ihrem Hausarzt. Dieser sieht die Indikation, z.B. eine MRT-Untersuchung zu veranlassen. Der Radiologe diagnostiziert z.B. ein Aneurysma und schickt die Patientin zu einem niedergelassenen Neurologen oder Neurochirurgen, der jetzt entscheiden soll, ob Therapiebedarf besteht und wenn ja, was als nächstes gemacht werden muss. Früher wurden die Bilder dann in interventionelle Neuroradiologien geschickt und etwa zwei Wochen später bekam der behandelnde Arzt eine Empfehlung von einem Experten. In der Zwischenzeit muss die Patientin die Ungewissheit aushalten. Die Praxen, die an unser Netzwerk angeschlossen sind, fragen uns „on-time“, das heißt, noch während der Patient in der Praxis ist, kann eine fundierte und von Spezialisten abgesicherte Empfehlung von dem betreuenden Arzt abgegeben werden.

Wie oft kommt JOIN zum Einsatz – und ist das erst der Anfang von einem riesigen Netzwerk?

Bisher sind fünf größere Praxen in Mönchengladbach an das System angeschlossen. Insgesamt werden rund 40 Fälle pro Monat über das System ausgetauscht und von uns mitbeurteilt.