: Eine Frage, die jeden angeht

Es gibt sie, die so genannten „großen Fragen“, die sich mit grundlegenden und entscheidenden Faktoren beschäftigen. Eine, die absolut dazu gehört, aber von vielen immer wieder gerne verschoben wird, lautet: Wie möchte ich im Alter leben?

Im Gerontopsychiatrischen Zentrum der LVR-Klinik Viersen an der Oberrahserstraße in Viersen ging es kürzlich bei einem Fachtag, der allen Interessierten offenstand, um genau diese Frage. Das große Interesse hat gezeigt, wie sehr genau jene Fragestellung beschäftigt. „Im Mittelpunkt steht, wenn man sich damit auseinandersetzt, vordergründig die Autonomie im Alter“, weiß Pflegedienstleiter André Gieß. Man möchte eigenständig bleiben – wohl kaum jemand, der das so nicht unterschreiben möchte. Aber körperliche und psychische Einschränkungen im Alter führen des Öfteren dazu, dass man auf Hilfe angewiesen ist. Die wird in den kommenden Jahrzehnten zunehmend auch technischer Natur sein. Einen interessanten Ausblick gab bei dem Fachtag Professor Dr. Viktor Grinewitschus von der Hochschule Ruhr-West darauf.

Wesentlich bleibt aber der Mensch. Jenseits von Pflegeroboter oder Sprachsteuerung ist es das Miteinander, das besonders im Alter eine bedeutende Rolle spielt. „Die Sorge vor dem Alleinsein treibt viele Leute um“, sagt Helmut Woerner, Diplom-Gerontologe von der LVR-Klinik Viersen. Durch seine Arbeit weiß er um die Problematik der Alters-Depression. Neben der akuten Unterstützung sei vor allem wichtig, dauerhaft zu stabilisieren und Brücken zu bauen. „Nach einer Behandlung in unserer Tagesklinik bieten wir beispielsweise die Möglichkeit von fortführenden Gruppenangeboten“, so Woerner. Die Gemeinschaft und das Gruppenempfinden sind wichtige Bausteine und Strategien gegen Einsamkeit im Alter – die nicht selten das Entstehen von Depressionen entscheidend beeinflusst.

Vorstellungen von Alter und vom eigenen Älterwerden ändern sich. Das weiß auch Chefarzt Dr. Timm Strotmann-Tack: „Wir leben in einer Zeit der Individualisierung.“ Die Selbstbestimmtheit bis ins hohe Alter sei „ein zentraler Bestandteil unserer modernen westlichen Gesellschaft.“ Hier jedoch entstehe durch Vereinzelung ein Spannungsfeld, das man vor allem „unter dem Aspekt von Krankheit, Pflegebedürftigkeit und mentaler Schwäche“ betrachten müsse.

Ziel des Fachtags war es, zu informieren. Aber eine bedeutende Rolle hat auch gespielt, dass man sich generell selbst mit eine der „großen Fragen“ beschäftigt – Wie möchte ich im Alter leben?