: Zehn Jahre familiale Pflege

Die Familiale Pflege am Krankenhaus Nettetal feiert zehnten Geburtstag. Die professionelle Beratung und Begleitung pflegender Angehöriger ist mittlerweile fest im Pflegekonzept verankert.

Wenn ein Patient plötzlich zum Pflegefall wird, sind die Angehörigen oftmals überfordert und bleiben mit vielen Fragen in der neuen und schwierigen Situation alleine. Diese Erfahrung machten früher auch die Pflegekräfte und Ärzte im Städtischen Krankenhaus Nettetal, ohne dass sie hier großen Handlungsspielraum zur Unterstützung gehabt hätten. Seit zehn Jahren ist das anders. Es gibt das Team der „Familialen Pflege“, das sofort eingeschaltet werden kann.

„Familiale Pflege NRW“ wurde 2005 als landesweites Gemeinschaftsprojekt vom Land, der AOK und der Universität Bielefeld ins Leben gerufen, um pflegenden Angehörigen möglichst flächendeckend kostenlose Unterstützung und Entlastung zu ermöglichen. „Als das Projekt 2010 in unserem Haus vorgestellt wurde, haben wir uns schnell entschlossen, mitzumachen“, erinnert sich der stellvertretende Pflegedienstleiter Stefan Russmann.

Heike Weinmann, damals Leiterin der Krankenpflegeschule, übernimmt die Projektleitung. Mit viel Engagement sorgt sie dafür, dass die Beratung und Unterstützung pflegender Angehöriger in kurzer Zeit ein fester Baustein im Pflegekonzept des Nettetaler Krankenhauses wird. Als Pflegetrainerin von Beginn an dabei ist Sendi Giganti. In den ersten fünf Jahren begleitet das Duo mehr als 600 Familien, beginnend mit der Beratung noch während des stationären Aufenthalts des Patienten bis hin zu weiterführenden Pflegekursen. 2015 dann übergibt Weinmann die Leitung an ihre Kollegin und den frisch an Bord geholten Daniel Krause, um sich wieder voll auf die Pflegeschule zu konzentrieren. Drei Jahre später verstärkt ein dritter Pflegetrainer das Team. Gleichzeitig wird umstrukturiert: Die Pflegetrainer übernehmen auch Aufgaben im Sozialdienst und arbeiten stationsbezogen. Das schafft Synergien. „In unserer Doppelfunktion lernen wir betroffene Patienten und Angehörige früher kennen und können die Angebote der Familialen Pflege noch einfacher vermitteln“, berichtet Giganti. 2019 vergrößert sich das Team Familiale Pflege/Sozialdienst noch einmal, seither gibt es auch für die Palliativstation eine feste Ansprechpartnerin.

Bis zu 200 Familien profitieren jedes Jahr von dem vielfältigen Angebot der Familialen Pflege im Nettetaler Krankenhaus

Sobald sich abzeichnet, dass ein Patient nach der Entlassung eine häusliche Pflege benötigen wird, nehmen die Pflegetrainer Kontakt mit den Angehörigen auf. Erste Beratungsgespräche und Pflegetrainings erfolgen auf Wunsch noch während der stationären Phase am Patientenbett. So vorbereitet können die Angehörigen der Entlassung meist ruhiger entgegensehen. „Wir kommen aber auch nach dem stationären Aufenthalt in das häusliche Umfeld, um individuell zu beraten und mit den Angehörigen Pflegetechniken zu üben“, erklärt Krause. Dabei dürften gern auch mehrere Familienmitglieder teilnehmen.

Gänzlich unabhängig davon, ob der häuslichen Pflegesituation ein stationärer Aufenthalt voraus gegangen ist, können pflegende Angehörige den so genannten Initial-Pflegekurs sowie einen speziellen Kurs zur Unterstützung bei der Pflege von Demenzerkrankten besuchen. Auch die regelmäßigen Gesprächskreise stehen allen Interessierten offen. Alle Kurse und Trainings sind für die Teilnehmer kostenfrei. Die Angebote der Familialen Pflege sind als Regelleistung der Krankenkassen anerkannt.

Corona hat auch die Möglichkeiten der Familialen Pflege eingeschränkt, so sind derzeit keine Kurse oder Hausbesuche möglich. „Zurzeit beraten wir pflegende Angehörige telefonisch“, erklärt Giganti.

Neue Kurstermine werden zeitnah im Internet unter www.krankenhaus-nettetal.de bekannt gegeben.