Kleine Fahne – große Geschichte

Eine Woche lang haben 17 geflüchtete Kinder bei „Kulturfahnen – Straße der Kulturen“ Kollagen gebastelt. Mit ihnen erzählen sie ihre Geschichten. Jetzt kann man die kleinen Kunstwerke als große Fahnen in Nettetal bestaunen.

Im Bürgerbüro Breyell herrscht ein fröhliches Durcheinander. Das Kulturfahnenprojekt „Komm, ich zeig dir mein Land“, feiert an diesem Tag den Höhepunkt einer beeindruckenden Reise. Aufgeregte Kinderstimmen mischen sich mit denen der stolzen Projektleiter. Herzlich nehmen sich Groß und Klein in den Arm, begrüßen sich wie eine Familie. An den Wänden hängen bunte Kollagen aus Fotos, Zeichnungen und Bildern. Bei näherem Hinsehen zeigen sich darin aufregende, beeindruckende, aber auch traurige Geschichten.

 Das Team und die Kinder des Kulturfahnenprojektes haben sich ihre Geschichten eine Woche lang mit Bildern und Worten erzählt und dabei beide Kulturen besser kennengelernt.
Das Team und die Kinder des Kulturfahnenprojektes haben sich ihre Geschichten eine Woche lang mit Bildern und Worten erzählt und dabei beide Kulturen besser kennengelernt. Foto: Gina Dollen

Kreative Jugendhilfe – das ist es, was die Landesarbeitsgemeinschaft Kunst und Medien NRW (LAG) unterstützen wollte. Über 100 Projekte hatten sich daraufhin beworben, davon bekamen 26 die Förderung der LAG und des Familienministeriums NRW. Eines davon war das Kulturfahnenprojekt und zwar als einziges am Niederrhein. „Ich freue mich sehr über das Ergebnis. Da kann man richtig stolz sein, dabei gewesen zu sein“, sagt Fleur Vogel von der LAG.

Kleine Fahne – große Geschichte

Durchgeführt wurde das Projekt von Sozialpädagogin Manuela Nazemi-Bogda vom Bürgerbüro, Künstlerin Beate Krempe und dem kurdischen, ebenfalls geflüchteten Künstler Waleed Ibrahim, der zwischen den beiden Kulturen und Sprachen vermittelte.

Kleine Fahne – große Geschichte

Eine Woche lang wurde in den Herbstferien gemeinsam erzählt, gegessen, vor allem aber gezeichnet und gebastelt. Denn manchmal erzählen Bilder einfach mehr als Worte.

Beate Krempe ist sichtlich gerührt: „Das war schon eine sehr intensive Zusammenarbeit. Am letzten Tag gab es sogar die ein oder andere Träne, weil die Woche vorbei war.“ Sie berichtet von vielen intensiven Momenten, in denen Kinder in ihrer unbeschwerten Art, ganz unverblümt von schrecklichen Erlebnissen erzählen.

Einer der jungen Teilnehmer musste von jetzt auf gleich mit seiner Familie aus dem unter Beschuss stehenden Haus flüchten. Ein Familienmitglied war für ihn dabei besonders wichtig: sein Kaninchen. Schützend in die eigenen Arme genommen rannte der Junge mit seinen Eltern und dem geliebten Haustier vor die Tür – kurz darauf war das Kaninchen tot, erschossen in den Armen seines kleinen Besitzers. „Dieses Projekt hilft dabei, das Erlebte kreativ zu verarbeiten“, betont Vogel. Aber auch Hoffnung und Dankbarkeit lassen sich in den Fahnen erkennen. Ein Kind malte Mülltonnen – als Symbol dafür, dass es hier in Deutschland gelernt hat, dass man Müll trennen kann. So lernten sich beide Kulturen gegenseitig kennen.

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Aus den fertigen Kollagen wurden meterhohe Fahnen gedruckt, die jetzt vor dem Bürgerbüro im Wind wehen und die Geschichten der Kinder erzählen. „Vielleicht sind die Fahnen ja etwas für die Ewigkeit“, bemerkt Manuela Nazemi-Bogda und lächelt. Während man denken könnte, sie schlucke gerade einen Kloß im Hals weg, blickt sie zu den Kindern, die nach einer langen Reise wieder fast ausgelassen lachen und spielen können.

(Report Anzeigenblatt)