Schockzustand im „Fall Luca“

Der „Fall Luca“, der Tod des fünfjährigen Jungen in Dülken, wühlt die Menschen auf. Der Lebensgefährte der Mutter sitzt in Untersuchungshaft.

So wird aus einem kleinen fünfjährigen Jungen ein „Fall“: Luca ist tot. Gestorben am vergangenen Sonntag im Krankenhaus in Viersen. Rettungssanitäter hatten den Jungen in der Wohnung der Mutter (24) und des Lebensgefährten (26) noch wiederbelebt, nachdem der Lebensgefährte angegeben hatte, ihn gegen 9.20 Uhr leblos in seinem Bett gefunden zu haben.

Seitdem sind immer mehr Details bekannt geworden, die viele Dülkener in einen Schockzustand versetzen. Die Obduktion am Montag ergab, dass der Junge an Gewalteinwirkung gestorben ist, er wurde gewürgt und geschlagen. Die Obduzenten fanden allerdings auch ältere Misshandlungsverletzungen.

Zunächst waren dann die Mutter und ihr Lebensgefährte vorläufig festgenommen und vernommen worden. Die Mutter konnte am Dienstagabend die Polizeidienststelle verlassen. Gegen sie wird nicht mehr wegen des Todes, wohl aber in Sachen der früheren Misshandlungen ermittelt. Gegen den Lebensgefährten erließ eine Haftrichterin Haftbefehl wegen des Verdachts auf Totschlag. Er bestreitet die Vorwürfe. Am Montag, einen Tag nach dem Tod des Jungen, sollte vor dem Amtsgericht Viersen abschließend darüber verhandelt werden, ob Luca bei seiner Mutter bleiben kann oder ob er in eine Pflegefamilie kommt. Im Januar war das Kind schon einmal aus der Familie genommen worden. Zurückgekommen sein soll der Junge gegen die Auflage, dass der Lebensgefährte dort nicht mehr wohne.

Wie das Gericht am Montag entschieden hätte, weiß niemand. Allerdings gab es ein Gutachten über die Familie, das Grundlage der Verhandlung sein sollte. Und darin, so bestätigt ein Sprecher des Landgerichts, kommt der Gutachter zu dem Schluss, dass von dem Lebensgefährten keine Gefahr für Luca ausgehe.

Das Jugendamt des Kreises hatte das Verfahren angestrengt, war seit mehreren Monaten mit dem „Fall“ betraut, hatte Hilfen zur Erziehung angeboten, die die Mutter auch angenommen habe. Sowohl aus der Bevölkerung als auch aus der Kindertageseinrichtung, die der Junge besuchte, hatte es Hinweise an das Jugendamt gegeben.

Verschiedene Menschen aus dem Umfeld der Familie haben sich auch an den Extratipp gewandt. Sie berichten von einer langen Vorgeschichte. Schon die Mutter des kleinen Luca soll teilweise im Heim, teilweise in Pflegefamilien aufgewachsen sein. Ihre Schwester soll jung ein Kind bekommen haben, das ebenfalls nicht in der Familie aufwächst.

Die Grünen haben eine Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses beantragt. Mittlerweile ist klar, dass im nicht-öffentlichen Teil der regulären Sitzung am 14. November die Politik umfassend informiert werden soll.

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Während sich die Familie – vor allem der Großvater hatte sich in den ersten Tagen nach dem Tod des Jungen immer wieder in einem sozialen Netzwerk geäußert – inzwischen sehr zurückgezogen hat, plant eine Gruppe von Menschen einen Trauermarsch für Luca. Ein genaues Datum dafür steht noch nicht fest.

Die Ermittlungen der Polizei und der Staatsanwaltschaft gehen indes weiter. Aus den Vernehmungen hatten sich weitere Anhaltspunkte ergeben, die es nötig machten, dass am Donnerstag in der Wohnung – an anderen Stellen als zuvor – noch weitere Spuren gesichert werden mussten. Außerdem prüft die Staatsanwaltschaft auch, ob es jemanden gibt, der weitere Hinweise hätte geben können, das aber unterlassen hat. Geprüft werden soll auch, ob ein solches Verhalten möglicherweise strafrechtlich relevant sein könnte.

(Report Anzeigenblatt)