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Caritas: Ehrenamt braucht mehr Anerkennung

Heute ist Tag des Ehrenamtes : Zeit schenken für andere

Ohne Ehrenamt geht nichts. Die Caritas hat den heutigen Tag des Ehrenamtes als Anlass genommen, Danke zu sagen und zwei der 300 Ehrenamtler im Caritasverband Region Mönchengladbach vorzustellen.

Es gibt Reis mit Sauerkraut-Untereinander. Rund 15 Menschen sitzen um kurz nach 12 Uhr in der zum Speisesaal umgeräumten Jugendkirche in der Albertusstraße. Es schmeckt. Wer hier essen kommt, ist obdachlos oder hat einfach so ganz wenig Geld. „Vielen Dank für Speis und Trank“ ruft ein junger Mann beim Rausgehen, der Roland Ollertz und seine Mitstreiter*innen offensichtlich kennt.

Ollertz, 61, gehört zum Team der Ehrenamtlichen, oder auch Zeit-Schenker, bei der Caritas Mönchengladbach. An Dienstagen und Donnerstagen gibt er in zwei Wechselschichten jeweils mit zwei anderen aus dem Team Essen aus, stellt vorher die Tische und Stühle hin, sorgt für Getränke, macht nach dem Essen sauber, räumt die Spülmaschine ein. „Wie Arbeit fühlt sich das nicht an. Man bekommt viel zurück“, sagt er.

Seine „Chefin“ ist Sozialarbeiterin Carmen  Rosendahl-Küpper, die für die Essensausgabe ebenso verantwortlich zeichnet, wie für Schuldner- und Sozialberatung der Caritas. Sie nennen sie hier liebevoll „Mum“. Corona habe vieles verändert, sagt sie. Auch der kostenlose Mittagstisch ist seit Februar neu. Er findet bewusst dienstags und donnerstags statt  – abwechselnd mit dem Bruno-Lelieveld-Haus des Vereins Wohlfahrt, das montags, mittwochs und freitags Mittagessen anbietet. „So haben die Menschen wenigstens fünfmal in der Woche ein gekochtes Essen“, so Rosendahl-Küpper.

Auch noch nicht so lange gibt es die Schuldner- und die Sozialberatung, die sich auf der turnusmäßig stattfindenden pastoralen Caritaskonferenz aus Bedarfen der Pfarrgemeinden Rheydt Mitte, Rheydt West, St. Benedikt, Sankt Vitus, sowie St. Maria Rosenkranz und St. Mariä Himmelfahrt entwickelt hat. „Hilfe in der Not, ist ureigenste Aufgabe der Gemeinden“, sagt Bereichsleiterin Soziales und Familie bei der Caritas, Hildegard van de Braak. Da die Gemeinden die Aufgaben aber nicht mehr leisten konnten , habe man sich hingesetzt und ein Konzept entwickelt. Und auch das gehe nicht ohne Menschen, die unentgeldlich helfen.

Eine davon ist Gabriele Lieven, 65. Als Ruheständlerin war es der früheren Vollstreckungsbeamtin nicht genug,  nur den Garten in Ordnung zu halten. Und wie Roland Ollertz kam sie über das Freiwilligen-Zentrum zu ihrem neuen „Job“. Sie ist schon vor Corona dabei gewesen, hat Familien  bei Anträgen geholfen, wenn sie mit dem Geld nicht hinkamen oder es Probleme in der Schule gab. „Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Carmen Rosendahl-Küpper. Schließlich sollten die Menschen nicht jeden Monat wieder mit leeren Taschen da stehen müssen. „Meistens haben die Familien Multiprobleme“. Gabriele Lieven hat vor drei Jahren „ihre“ Aufgabe in der Sozialberatung gefunden, doch derzeit bleiben die betroffenen Familien aus. „Seit Corona stehen bei uns Menschen Schlange, die 5 Euro brauchen, eine Packung Zigarretten oder eine Tafel Schokolade“, sagt sie, das halte die Familien fern.

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Zeit, für die Caritas, mal wieder umzudenken. „Wir müssen uns mit den Angeboten immer anpassen“, sagt Carmen Rosendahl-Küpper. Auch an die neuen Generationen der Ehrenamtler. Sie sieht großes Potential in der Generation der „Babyboomer“, die zur Zeit in Rente gehe, man müsse nur mal entsprechend die Werbetrommel rühren. Und auch für Jüngere gäbe es Aufgaben, nur nicht mehr so auf Langfristigkeit angelegt, wie früher. Im Lebenslauf mache sich das übrigens auch sehr gut, weiß Roland Ollertz, der früher leitender Angestellter einer großen Versicherung in Düsseldorf war.

„Heute ist Tag des Ehrenamtes und Zeit, auch mal die Politik aufzurütteln“, finden Carmen Rosendahl-Küpper und Hildegard van de Braak. Es gebe zu wenig Anerkennung – auch finanzieller Art, etwa wenn Frauen nach jahrelanger Ehrenamtstätigeit in Rente  gehen würden und dann so wenig hätten, dass einem die Tränen kämen...