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Mönchengladbacher Sportvereine sorgen sich um Mitglieder-Austritte

Vereine fürchten um Mitglieder : Sorge um Zukunft des Sports

Nicht nur sind die Möglichkeiten sportlicher Aktivität zur Zeit coronabedingt sehr beschränkt. Auch die Mitglieder laufen den Mönchengladbacher Sportvereinen gerade in Scharen weg. Der Stadtsportbund (SSB) ist besorgt und schlägt deshalb Alarm.

Wir machen uns Sorgen um die Zukunft des Vereins- und Breitensports in Mönchengladbach“, äußerte SSB-Präsident Wolfgang Rombey am Freitag seinen Unmut über die aktuelle Bestandserhebung der Mönchengladbacher Sportvereine. 2 191 Mitglieder haben die heimischen Sportvereine 2020/2021 verloren, eventuell könnten es sogar über 2 400 sein, da die Meldungen von einigen mittleren und größeren Vereinen noch fehlen. Besonders alarmierend sei der Rückgang im Kinder- und Jugendbereich, so Rombey. Gab es hier 2020 noch 12 770 Mitglieder, so sind es 2021 nur noch 11 245, also 1 525 weniger. Betroffen sind vor allem die Vereine mit Hallensportarten wie (Kinder-)Turnen, Handball und Schwimmen. In einigen Vereinen haben sich die Mitgliederzahlen im U7-Bereich halbiert und in der Klasse sieben bis 14 Jahre um ein Drittel verringert. Eltern würden den Sportverein demnach als ein Dienstleistungsunternehmen begreifen. Das Sportangebot für ihre Kinder findet nicht statt, also gibt es auch keinen Grund für eine Vereinsmitgliedschaft. Für Rombey und seine Mitstreiter vom Stadtsportbund ist dies eine fatale Entwicklung, befürchten sie doch, dass eine ganze Generation dem Sport verloren gehen könnte.

Dass gerade Kinder und Jugendliche – die mit Blick auf die Corona-Problematik „ohnehin nicht die Träger und Verbreiter des Virus“ (Rombey) sind – keinen Sport mehr treiben, hält man beim Stadtsportbund aus gleich zwei Gründen für bedenklich. So sei sportliche Betätigung nicht nur für die motorische Entwicklung der Kinder von größter Wichtigkeit, sondern darüber hinaus erfülle der Sport auch eine soziale Funktion. „Kinder lernen hier Toleranz, Respekt, den Umgang mit Regeln und noch viel mehr“, führte Rombey aus. Insofern sei es gesellschaftspolitisch von hohem Interesse, dass Kinder und Jugendliche auch während der Pandemie entsprechend aktiv sein können.

Rombey begrüßte in diesem Zusammenhang das Vorgehen der Stadt, die in Übereinstimmung mit der aktuellen Coronaschutzverordnung die Sportstätten unlängst wieder für den Individualsport geöffnet hatte. Allerdings dürfe man es nicht nur dabei belassen, sondern es brauche dringend geöffnete Sportanlagen, auf denen auch Training unter Übungsleitern stattfinden kann. Insbesondere Vereinssportler seien Regeln gewohnt und seien zudem auch in der Zeit nach dem ersten Lockdown verantwortungsvoll mit den Regelungen umgegangen. „Wir bitten die Politik, darauf hinzuarbeiten, dass den Menschen wieder die Möglichkeit zum Sport geboten wird“, appellierte Rombey.

In Reihen der Politik wiederum stoßen die Bitten der SSB-Verantwortlichen auf offene Ohren. In Gesprächen mit Vertretern der Ampel-Koalition und der CDU-Fraktion sowie den Mönchengladbacher Landtagsabgeordneten Jochen Klenner und Frank Boss signalisierten alle Seiten, die Vereine weiter unterstützen zu wollen. Abzuwarten bleibt jetzt, inwiefern auf Landes- und Bundesebene Öffnungsstrategien auf den Weg gebracht werden, mit denen den Kommunen und Sportvereinen eine positive Perspektive geschaffen werden kann.

Doch auch beim Stadtsportbund selbst bleibt man nicht untätig. Über einige Aktionen und Maßnahmen will man die Mönchengladbacher, insbesondere die Kinder und Jugendlichen, zurück oder auch erstmals in den Vereinssport bringen. SSB-Geschäftsführer Johannes Gathen stellte diese Maßnahmen im Rahmen eines Pressegesprächs vor:

Zum einen ist geplant, Vorstände, Funktionsträger und Übungsleiter in den Vereinen über Online-Seminare – auch in Sachen Mitgliedergewinnung – zu qualifizieren (Programm unter www.mg-sport.de). Zum anderen will der SSB mit Sportmaterialien aus dem Sportgeräteverleih der Sportjugend Vereinen beim Sport in Kleingruppen auf den Außenanlagen aushelfen (Kontakt über 02161/29 43 910 oder fsj@mg-sport.de). Außerdem soll es die bereits bekannten Aktionstage „Finde Dein Talent im Sport“ wieder geben. Ob der erste Termin am 25. April im Stadtgebiet Mönchengladbach (Radrennbahn/Jahnhalle) wie geplant stattfinden kann, hängt dabei von der Infektionslage ab. Dass der zweite Aktionstag am 3. Oktober im Stadtgebiet Rheydt (SH Backeshof mit Außenanlage) stattfinden wird, davon geht man derzeit aus. Die Aktion „Sport im Park“, die sich in den letzten drei Jahren in Mönchengladbach etabliert hat und an der immer viele Vereine beteiligt sind, ist für 2021 als Winter- und Sommer-Edition geplant, zudem eine Ostereier-Schnitzeljagd und eine Sommer-Ferienfreizeit. Vereinen, die Schwierigkeiten haben, in der Corona-Zeit ihre Jahreshauptversammlungen durchzuführen, weil es an passenden Räumlichkeiten fehlt, stellt der SSB außerdem die Sporthalle im Haus des Sports zur Verfügung.