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Bäume in Willicher Parks werden regelmäßig überprüft.

Klopfen für gesunde Bäume im Park : Ja was klopfen sie denn da?

Regelmäßig wird in den Willicher Parks der Zustand der Bäume überprüft. Und dabei wird auch schon mal buchstäblich aufs Holz, sprich auf den Baum, geklopft.

Aber natürlich erntet er manchmal in den Parks der Stadt Willich kritische bis seltsame Blicke, wenn er mit dem Hammer von Baum zu Baum läuft und bei den Stämmen anklopft. So mancher mag Harald Kaufmann dann irgendwo zwischen dezent verwirrt oder „jeder hat seine Hobbys“ eingeschätzt haben – wenn er aber wie am Winterdonnerstag mit dem Steiger im Konrad-Adenauer-Park unterwegs ist und auch noch in luftiger Kronenhöhe eine Kamera in die Hohlräume der Bäume einführt, wird das Ganze schon offensichtlicher: Harald Kaufmann, Mitarbeiter der Gemeinschaftsbetriebe Willich (GBW), ist mit seinem Kollegen Wolfgang Kache unterwegs, um Zustand, Gesundheit und nicht zuletzt Standsicherheit und Gefährdungspotential des Willicher Baumbestands zu erfassen. Und da leistet der Hammer in Zusammenarbeit mit dem geschulten Gehör Erstaunliches: Die Fachleute können am Nachklang nach Hammerschlag ziemlich genau erkennen, wie es dem Baum strukturell geht, ob es gesund-massiv oder krank-hohl um ihn bestellt ist. Und schließlich, ob er eben standsicher ist oder eben eine Gefahr für unter ihm wandelnde Passanten darstellt. Und was dann zu tun ist.

Mit der Kamera schaut der erfahrene Experte ins Innenleben der Bäume: Astlöcher, Aushöhlungen lassen einen Blick ins Innere zu – und neben der Analyse des Baumzustands kann man mit dem Objektiv an der Spitze auf einem kleinen Schirm am anderen Ende des Geräts auch Gäste oder Bewohner des Baums erkennen. Manchmal sind irreparable Schäden am Baum für das geübte Auge aber auch auf den ersten Blick zu erkennen: „Rußrinde“ befinden Kaufmann und Kache und deuten in die Krone eine Bergahorns – „der Baum ist in einem halben Jahr ganz befallen schon jetzt nicht mehr zu retten.“ Die Pilzkrankheit – übrigens auch eine Gefahr für den Menschen, es besteht durchaus die Gefahr einer Beeinträchtigung der Atemwege – ist eine weitere Folge der Klimaerwärmung und relativ leicht zu diagnostizieren: Beim Ahorn macht sich die Stammrinde quasi aus dem Staub – denn unter ihr tritt dann großflächig schwarzer „Staub“ zutage, was der Krankheit dann auch ihren Namen verpasst hat: eine bis ein Zentimeter dicke schwarze Schicht aus mikroskopisch kleinen Pilzsporen. Ganz übel für allergisch oder lungentechnisch vorgeschädigte Menschen: Der Kontakt mit den Pilzsporen kann unter anderem Husten, Atemnot, Müdigkeit oder Fieber auslösen. 
Auch deshalb müssen befallene Bäume umgehend gefällt und das Holz sofort verbrannt werden. Drum bekommt der betroffene Baum auch ein pinkes “X“ aufgesprüht – der Kumpel nebenan kommt mit einem „K“ davon: „K“ wie Krone. „Ein Druckzwiesel“ erläutert Kaufmann: Zwei etwa gleichstarke Stämme wachsen aus einem Hauptstamm, drücken sich Jahr für Jahr mehr auseinander und bilden „Elefantenohren“ – ein Zeichen dafür, dass sich die Stelle der ursprünglichen Trennung nicht komplett geschlossen hat, die Stämme sich kontinuierlich weiter auseinanderdrücken „und einer der beiden dann irgendwann da liegt“, so Kaufmann, der hier den Einbau einer Kronensicherung empfiehlt: Seile mit einer Zugsicherungskraft von bis zu acht Tonnen (Holz entwickelt unglaubliche Kräfte), die das Aus- und Abbrechen eines Baumteils dann eben verhindern sollen. Bricht der eine Ast weg, wird er vom anderen gehalten oder fällt eben „in Zeitlupe“ – und dann muss der Baum eh gefällt werden. 
Denn die Standsicherheit der Bäume ist das Thema Nummer eins: Die Stadt ist da klar in der Pflicht, technisch als „Verkehrssicherungspflicht“ definiert. Dazu gehören im Winter eben Räum- und Streupflicht, aber eben auch ganzjährig die regelmäßige Überprüfung beispielsweise von Gehwegen, Fassaden, Dächern, Wasseranlagen, Spielplätzen – und eben auch den Bäumen in den diversen Parks.   
„Uns geht es bei der Arbeit natürlich primär um die Sicherheit der Bürger – aber deswegen versuchen wir trotzdem, den Baumbestrand möglichst zu bewahren, zu pflegen und gesund zu erhalten“, so noch einmal Kaufmann, der mit seinen Kollegen nur zur Säge greift, wenn es wirklich nicht zu vermeiden ist. Man darf also – siehe ganz oben - getrost davon ausgehen, dass er lieber mit dem Hammer an Stämme klopft als ihnen mit der Säge zu Leibe zu rücken.