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Kriminalitätsstatistik 2020 - im Kreis sind die Delikte gestiegen

Kriminalitätsstatistik 2020 für den Kreis Viersen : Straftaten sind gestiegen

"Die Polizeiliche Kriminalstatistik ist eine Corona-Statistik", so bezeichnete Innenminister Reul die Jahresentwicklung 2020 im Land Nordrhein-Westfalen. Und auch im Kreis Viersen sind die Folgen der Pandemie in vielen Teilbereichen der Straftaten deutlich abzulesen. Die Zahl der Straftaten im Kreis Viersen ist im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, die Aufklärungsquote ist gesunken. Das sind keine guten Nachrichten.

Die Gesamtzahl der Straftaten im Land NRW ist im Jahr 2020 gegenüber dem Vorjahr um ein Prozent gesunken.

Für den Bereich der KPB Viersen ist die Gesamtzahl um acht Prozent gestiegen. Im Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte (+19,12 Prozent) sowie der Rauschgiftkriminalität (+21,18 Prozent) sind die Fallzahlen erheblich angestiegen. Auffällig ist die Steigerung von 78 Prozent besonders beim Waren- und Kreditbetrug mit dem Tatmittel Internet.

Die Diebstahlsdelikte (+3,46 Prozent) und Delikte der Straßenkriminalität (+1,53 Prozent) sind im Vergleich zum Vorjahr nahezu gleich geblieben. Ein Rückgang war im Bereich der Gewaltkriminalität (-7,17 Prozent) zu verzeichnen.

Bei der Kriminalitätshäufigkeitszahl (KHZ) handelt es sich um die Anzahl der Straftaten berechnet auf 100.000 Einwohner. Sie drückt als Zahl die Kriminalitätsbelastung von Kommunen aus und schafft so eine Vergleichsbasis.

Der allgemeine Anstieg von 8% bei den Straftaten wirkt sich auch auf die Häufigkeitszahl aus. Bei einer Bevölkerungszahl von 298.863 Einwohnern (Stand 2019) im Kreis Viersen stieg die Kriminalitätsbelastung im Vergleich zum Vorjahr um 457 Fälle pro 100.000 Einwohner. Damit liegt die Häufigkeitszahl leicht über dem Fünfjahresschnitt.

Der Landesdurchschnitt (KHZ) ist durch den Rückgang von einem Prozent zwar leicht gesunken, liegt aber noch deutlich über dem des Kreises Viersen. Somit ist die Gefahr, im Kreis Viersen Opfer einer Straftat zu werden, erheblich geringer als im Landesdurchschnitt.

Die Aufklärungsquote im Land NRW liegt bei 52,8 Prozent.

Im Kreis Viersen sank die Aufklärungsquote im Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr um 0,7 Prozent. Der Fünfjahresschnitt (51,65 Prozent) wurde damit unterschritten.

Die Ursache dürfte besonders mit der Steigerung der Kriminalität mit dem Tatmittel Internet (über 78 Prozent) und damit einhergehend mit den besonderen Bedingungen

aufgrund der Corona-Pandemie begründbar sein. Durch die Schließung der Geschäfte im Zuge des Lock-Downs stieg das Konsumverhalten im Internet deutlich an. Betrugsmaschen rund um den Verkauf von Hygieneartikeln (Masken, Desinfektionsmittel, etc.) und die Beantragungen zur Corona-Soforthilfe sind hier nur beispielhaft genannt. Die Waren- und Warenkreditbetrügereien stiegen um knapp 30 Prozent.

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Die Aufklärung dieser Delikte ist aufgrund der Vielfältigkeit und der vorhandenen oder eben fehlenden Datenschutzbedingungen auf diversen Plattformen sehr erschwert. In vielen Fällen sind die Täter leider gar nicht zu ermitteln.

Positiv zu verzeichnen ist jedoch, dass die Aufklärungsquote in einigen Deliktsbereichen gleich hoch geblieben ist oder sogar gesteigert werden konnte. So ist bei den Rauschgiftdelikten ein Höchstwert im Fünfjahresvergleich mit 96,1 Prozent erreicht. Die Aufklärungsquote im Bereich sexueller Missbrauch von Kindern und Kinderpornografie ist mit 93,2 Prozent der zweitbeste Wert im Fünfjahresvergleich. Bei den angezeigten Vergewaltigungen und schweren sexuellen Nötigungen liegt die AQ bei immerhin knapp 80 Prozent.

Die Anzahl der ermittelten Tatverdächtigen (TV) im Jahr 2020 ist um 599 Personen (8,5 Prozent) gestiegen und zieht sich durch fast alle oben benannten Gruppen.

Nur bei den Tatverdächtigen unter 21 Jahren ist der Anteil an der Gesamtzahl im Vergleich zu den Vorjahren weiterhin gesunken. Der Anteil dieser Gruppe an der Gesamtbevölkerung im Kreis Viersen liegt bei 19,16 Prozent.

Der Anteil der weiblichen Tatverdächtigen liegt bei 15 Prozent.

Bei den nichtdeutschen Tatverdächtigen ist nahezu der Wert von 2017 erreicht. Hier hatte sich in den beiden Vorjahren ein deutlicher Rückgang gezeigt.

Nichtdeutsche Tatverdächtige im Sinne der Kriminalstatistik sind alle Personen, die keine deutsche Staatsangehörigkeit haben oder staatenlos sind. Personen mit doppelter Staatsangehörigkeit werden statistisch als Deutsche erfasst. Zuwanderer (z.B. Personen mit laufendem Asylverfahren oder aufenthaltsrechtlichen Duldungen) sind in der Menge der nichtdeutschen Tatverdächtigen enthalten.

Der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen an der Gesamtzahl der Tatverdächtigen betrug im Berichtszeitraum 32,18% (Vorjahr 32,78%). Bei einem Bevölkerungsanteil der Nichtdeutschen im Kreis Viersen von 10,24 Prozent, lässt sich hier eine überproportionale Kriminalitätsbelastung von Nichtdeutschen erkennen. Gerade in bundesdeutschen Grenzgebieten ist dabei jedoch zu berücksichtigen, dass auch Touristen und Geschäftsreisende mit ausländischem Wohnsitz, die im Kreis Viersen eine Straftat begehen, als nichtdeutsche Tatverdächtige in die Kriminalstatistik eingehen.

Von den nichtdeutschen Tatverdächtigen kommen knapp 50% aus Ländern, die geografisch zu Europa gehören (z.B.: Polen: 384, Niederlande: 225, Rumänien 173, Italien 63). Bei den nichteuropäischen Ländern sind als stärkste Herkunftsländer die Türkei (234), Syrien (135) und ungeklärt (83) vertreten.

Deutlich überrepräsentiert ist der Personenkreis der nichtdeutschen Tatverdächtigen bei Ladendiebstählen (45 Prozent) und Erschleichen von Leistungen/Schwarzfahren (über 54 Prozent).

Der Anteil von Straftaten, die nur durch diese Bevölkerungsgruppe begangen werden kann(Straftaten gegen das Aufenthalts-, das Asyl- oder Freizügigkeitsgesetz), ist im letzten Jahr leicht gestiegen(+6,5 Prozent).

Der Anteil der Gewaltdelikte an der Gesamtkriminalität ist rückläufig (-7,17 Prozent).

Die angezeigten Vergewaltigungen und schweren sexuellen Nötigungen blieben auf dem Vorjahresniveau.

Die Zahl der Raubdelikte ist leicht gesunken. Deren Anteil an den Gewaltdelikten liegt bei 22,8 Prozent.

Mit 70,3 Prozent machen die Körperverletzungsdelikte einen Großteil an den Gewaltdelikten aus. Erfreulich ist das weitere Sinken dieser Fallzahlen um 7,1 Prozent.

Im Kreis Viersen liegt der Anteil der Gewaltdelikte an der Gesamtkriminalität bei einem niedrigen Wert von nur 2,76 Prozent, daher fällt der Rückgang der Fallzahlen von 7,17 Prozent auch nicht so stark bei der Gesamtzahl aller Straftaten ins Gewicht. Der Fünf-Jahres-Schnitt liegt bei 3,33 Prozent.

Die Fallzahlen sind gegenüber den Vorjahren leicht gesunken. Die Aufklärungsquote sank um 2,6 Prozent liegt aber immer noch über 50 Prozent. Bei 36,5 Prozent der Fälle handelt es sich um Raubstraftaten auf Straßen, Wegen und Plätzen.

Bei gefährlichen und schweren Körperverletzungen ist mit 355 registrierten Straftaten eine neuerlich sinkende Fallzahl festzustellen. Die Aufklärungsquote ist erfreulicherweise wieder leicht angestiegen.

Etwa ein Viertel der angezeigten Körperverletzungen ereignete sich innerhalb von Partnerschaften (häusliche Gewalt). In über 50% der angezeigten Körperverletzungen kannten sich Täter und Opfer vorher.

Insgesamt wurden 381 Tatverdächtige ermittelt. Der Anteil der Nichtdeutschen an diesen Straftaten liegt mit 97 ermittelten Tatverdächtigen bei 25,5 Prozent

Frauen sind mit ca. 18,4 Prozent Anteil an den ermittelten Tatverdächtigen bei den Körperverletzungsdelikten im Vergleich zu ihrer prozentualen Beteiligung an der Gesamtkriminalität (21,7 Prozent) leicht unterrepräsentiert.

Die Opfer waren zu 70 Prozent männlich und zu 30 Prozent weiblich.

Der Anteil der jungen Tatverdächtigen an der Zahl aller Tatverdächtigen im Kreis Viersen ist wie auch im Land gesunken.

Überproportional vertreten waren die ermittelten jungen Tatverdächtigen in den Deliktsbereichen sexueller Übergriff/Nötigung, Raub, Sachbeschädigungen, hier besonders bei den Sachbeschädigungen durch Graffiti. Der Anteil der Nichtdeutschen an den jungen Tatverdächtigen beträgt 4,25 Prozent.

Die Zahl der Diebstahlsdelikte ist im Jahr 2020 um 201 Fälle (+3,46 Prozent) gestiegen. Der Anteil dieses Deliktsbereiches an der Gesamtkriminalität beträgt 32,91 Prozent.

Eine Abnahme bei den Diebstahlsdelikten ist vor allem bei den Diebstählen an/aus Kfz (-18,3 Prozent), von Kfz (-25,4 Prozent) und bei den einfachen Diebstählen (-22,7 Prozent) festzustellen.

Eine Steigerung von über 50% gab es bei den Taschendiebstählen, die allerdings nur sechs Prozent aller Diebstahlsarten ausmachen.

Diese Steigerung wurde bereits zu Jahresbeginn 2020 frühzeitig erkannt. Der Entwicklung wurde mittels offensiver Kontrollmaßnahmen, sichtbarer polizeilicher Präsenz an Bahnhofsbereichen und Fußgängerzonen in Zusammenarbeit mit der Bundespolizei und nachhaltiger Präventionsarbeit entgegen gewirkt.

Der Lock-Down der nicht systemrelevanten Geschäfte führte hier insbesondere zu starken Schwankungen in den Fallzahlen und Verdrängung der Täter in die Supermärkte. Eine flächendeckende polizeiliche Kontrolle kann in den vielen Supermärkten nicht gewährleistet werden. Daher wird hier ausdrücklich an die Supermarktbetreiber appelliert, auch eigene Präventionsarbeit zu leisten, damit die Täter hier nicht zum gewünschten Erfolg kommen.

Unter „Sonstige“ sind Einbrüche in Kindergärten, Schulen, Keller oder Schuppen zusammengefasst.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche, die bereits in den Vorjahren deutlich zurückgegangen war, bleibt erfreulicherweise auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres.

Die Kreispolizeibehörde Viersen hatte sich seit mehreren Jahren die Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls als ein vordringliches Ziel gesetzt. Entsprechend werden die Einsatzkräfte zielgerichtet dort eingesetzt, wo Einbrüche stattgefunden haben oder dies zu erwarten ist. Gleichzeitig trugen organisatorische Anpassungen auch zu einer verbesserten Spurensuche und -sicherung bei. Diese gemeinsamen Anstrengungen könnten zu den gesunkenen Fallzahlen geführt haben.

Viele der entwickelten Aktivitäten werden unter Ausweitung auf weitere Eigentumsdelikte (Bekämpfung des Taschendiebstahls oder sonstiger Einbrüche) trotz sinkender Einbruchszahlen weiterhin fortgeführt.

Die Versuchsquote von 44,3 Prozent ist zwar immer noch ein deutliches Zeichen für das Funktionieren technischer und baulicher Sicherungen, allerdings gelingt es den Tätern wieder häufiger, in das Haus oder die Wohnung einzudringen und Beute zu machen.

Auch beim Planen, Erstellen und Sanieren von Wohngebäuden versucht die Polizei, durch die technische Prävention positiven Einfluss in Richtung verbesserter Zugangssicherungen zu nehmen.

Die Aufklärungsquote sank unter 10%. Auch im Land NRW sank die Aufklärungsquote um 1,15 Prozent beim Wohnungseinbruch (WED) auf 14,3 Prozent.

Die Tatgelegenheiten haben durch Homeoffice, Homeschooling und geringer Urlaubsabwesenheiten von zu Hause beträchtlich abgenommen.

Die Häufigkeitszahl (Anzahl der Einbrüche pro 100.000 Einwohnern) lag im Jahr 2020 im Kreis Viersen bei 154 und im Land NRW bei 138.

Im Verhältnis sind die Gemeinde Niederkrüchten und Stadt Viersen am stärksten mit Wohnungseinbrüchen belastet. Am wenigsten eingebrochen wird mit Abstand in der Stadt Tönisvorst.

Aufgrund der Grenznähe sind insbesondere beim Schmuggel (§ 29 Betäubungsmittelgesetz (BtmG)) und der illegalen Einfuhr (§ 30 BtmG) die Kontrollen des Zolls und der Bundespolizei an der deutsch-niederländischen Grenze maßgeblich für die Höhe der Fallzahlen, da es sich bei dieser Deliktsart um ein Kontrolldelikt handelt.

Seit 2018 hat der Zoll hier deutliche Aktivität entwickelt. So stieg die Anzahl eingeleiteter Verfahren ausschließlich durch den Zoll von 161 auf 670 Verfahren (> +400 Prozent).

Die AQ erreicht mit 96,1 Prozent ihren Höchstwert im Fünfjahresvergleich.

Der Anteil der Rauschgiftkriminalität an der Gesamtkriminalität ist im Vergleich zum Vorjahr leicht angestiegen (7,55 Prozent in 2019 / 7,95 Prozent in 2020).

Die Vermögens- und Fälschungsdelikte machen mit 22,32 Prozent fast ein Viertel der Gesamtkriminalität aus, daher fällt der Anstieg von knapp 20% auch bei der Gesamtzahl der registrierten Kriminalität mehr ins Gewicht, als dies zum Beispiel beim Rückgang der Gewaltdelikte der Fall ist.

Der Anteil an Straftaten mit dem Tatmittel Internet an der Gesamtkriminalität ist zwar gering, aber aufgrund des Anstiegs über 78 Prozent ist trotzdem ein gesteigertes Gefahrenbewusstsein im Umgang mit dem Internet notwendig. Dies betrifft nicht nur die Betrügereien, sondern auch den Deliktsbereich rund um den sexuellen Missbrauch von Kindern und Kinderpornografie.

Mit über 38 Prozent machen die Warenbetrugsdelikte einen Hauptteil der Straftaten an den Vermögensdelikten aus.

Auch im Kreis Viersen muss von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden, da die Opfer eine Anzeigenerstattung oftmals als wenig erfolgversprechend einschätzen oder aus Peinlichkeit oder Scham, auf den einen oder anderen Trick hereingefallen zu sein, keine Strafanzeige erstatten.

Die geänderten Erfassungsrichtlinien im Jahr 2019 lassen einen Vergleich zu den Vorjahren nicht zu.

Ein erfolgreicher Schlag gegen Callcenterbetreiber in der Türkei ließ die Fallzahlen ab September 2019 stark sinken, so dass für 2020 ein Rückgang von über 40% zu verzeichnen war. Leider führten die Festnahmen im Ausland jedoch nicht gänzlich zum Verschwinden dieses Phänomens.

Wie gut Prävention und Information der Senioren funktionieren, spiegelt die Versuchsquote von 91,5 Prozent wieder. Das bedeutet, dass mehr als 90% der Taten scheitern, weil die Senioren den Betrugsversuch erkannt haben.

Ein Großteil der angezeigten Taten rund um die Kinderpornografie wird durch Recherchen im Internet bekannt und basiert auf der internationalen Zusammenarbeit der Strafverfolgungsbehörden. Die Aufklärungsquote beträgt 93,2 Prozent.

Auffällig ist bei diesen Delikten, dass nahezu alle Tatverdächtigen männlichen Geschlechts sind.

Die seit 2019 steigenden Fallzahlen sind das Ergebnis der dringend notwendigen Aufhellung des Dunkelfeldes. Der Bekämpfung dieser verwerflichen Straftaten werden wir auch in Zukunft weiterhin hohe Priorität einräumen.