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MdL Klenner diskutiert mit Mönchengladbacher Experten zum Thema Impfen

Videokonferenz zum Thema Impfungen : „Vertrauen zurückgewinnen“

Jochen Klenner, CDU-Landtagsabgeordneter und Mitglied im NRW-Gesundheitsausschuss, hatte am Dienstagabend zum achten Mal Ärzte, Fachleute und interessierte Bürger*innen zur Videokonferenz eingeladen. Thema: die Impfungen gegen Corona – Zwischenbilanz und Perspektiven.

Jochen Klenner, MdL CDU, ist Mitglied im Gesundheitsausschuss des NRW-Landtags und deshalb im Thema, wenn es um alle Fragen rund um Corona geht. Um auszumachen, was die Bürger bewegt und was sie gerne wissen möchten, lädt er regelmäßig interessierte Menschen, Ärzte und Fachleute zur Videokonferenz ein. Die einen, um Fragen zu stellen, die der Allgemeinheit auf den Nägeln brennen, die anderen, um darauf zu antworten. „Letztendlich kann jeder Bürger teilnehmen – die Veranstaltungen sind ja öffentlich. Ich informiere darüber immer vorab auf Facebook“, so Klenner.

Auch am Dienstag gingen die Fragen rund und Dr. Mathias Jorde, Hausarzt und stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Mönchengladbach, Ralph Köllges, Impfexperte und Kinder- und Jugendmediziner, Dr. Jörg Hornivius, zur Zeit Arzt im Impfzentrum, sowie Feuerwehrchef und organisatorische Leitung des Impfzentrums, Dirk Schattka, beantworteten Fragen.

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Jochen Klenner startete mit einer positiven Zahl: Mitte Dezember habe es rund 5 000 Corona-Erkrankte in Altenheimen in NRW gegeben, Mitte März durch die Impfungen nur noch 300. Ein Erfolg. Trotzdem sei bekanntlich nicht alles gut gelaufen. Beim Thema Bürokratie habe er den Eindruck, für eine Impfung brauche man einen, der impft und neun weitere, die schreiben, kolportierte er. Für die Politik gälte es, Vertrauen zurückzugewinnen. Voreilige Versprechungen seien da wenig hilfreich. Er hofft, dass man im Sommer so weit sei, Menschen zu impfen, die auf keiner Prioritätenliste stehen. „Dass so viele mitmachen, ist toll“, sagt er. Da sei man sich am Anfang gar nicht so sicher gewesen. Die Deutschen seien ein impfmüdes Volk. Zum Teil hätten die Fehler bei den Bestellungen auch daran gelegen. Produktionen seien entsprechend runtergefahren gewesen und man habe nicht gewusst, welcher Impfstoff sich am Ende durchsetze.„Impfstoffe sind viel komplizierter zu produzieren, als eine Tablette“, fügte Impfexperte Ralph Köllges noch hinzu.

Köllges hat als Kinderarzt inzwischen in seiner Praxis auch Erwachsene geimpft, davon 168 über 60 Jahre. „Es muss einfach schnellstens mit allen verfügbaren Ärzten so viel Impfstoff in die Leute, wie es geht“, sagt er. Auch Hausarzt Dr. Mathias Jorde ist dabei, eine praxisinterne Liste von 250 chronisch Schwerkranken abzuarbeiten.

Beide Ärzte haben bei den Vakzinen BioNTech und AstraZeneca, so wie sie derzeit eingesetzt werden, keinerlei Bedenken. Was mit dem amerikanischen Produkt Johnson & Johnson ist, dazu konnte man am Dienstagabend noch nichts sagen. Impfstoffe wie Sinovac aus China oder Sputnik aus Russland, die nicht von der EU und vom Paul-Ehrlich-Institut frei gegeben seien, sieht Impfexperte Köllges sehr kritisch. Es gäbe zum Beispiel bei Sputnik absolut auffällige Zahlen. Zur Zeit wird geraten, dass unter 60-jährige, die mit AstraZeneca geimpft wurden, als Zweitimpfung ein mRNA-Vakzin erhalten. Sie können sich aber auch selbst entscheiden, sich zum zweiten Mal mit AstraZeneca impfen zu lassen. Es sehe so aus, als spiele das Alter eine Rolle, bei den trombotischen Nebenwirkungen. Familiäre trombotische Vorbelastungen, Vorerkrankungen oder das Körpergewicht spielten seines Erachtens keine Rolle. „Wir wissen nicht, was der Auslöser für diese Thrombosen ist“, so Köllges.

Aus dem Impfzentrum im Nordpark berichteten Feuerwehrchef Dirk Schattka und Dr. Jörg Hornivius. „Wir impfen etwa 600 Menschen täglich mit AstraZeneca und 700 mit BioNTech“, so Hornivius, „eine Top-Teamleistung“. Dieser Tage würden die Menschen mit Priorität 2 abgearbeitet, so Schattka, eine gigantisch große Zahl. „Eine Stadt wie Mönchengladbach hat rund 55 000 chronisch Kranke“. Besonders BioNTech sei dabei der organisatorische Supergau. „Wir können erst drei Tage vorher bestellen. Der Impfstoff ist aber nur zwei Tage haltbar.“ Menschen mit Priorität 3, schätzen die Experten, könnten Ende Mai geimpft werden.