1. Borussia

: Königliches Flair im Borussia-Park

: Königliches Flair im Borussia-Park

Kein Team hat die Champions League öfter gewonnen als Real Madrid (13 Mal). Am Dienstag gastieren die Königlichen bei Borussia.

Es war am 23. November 2016, als die Champions League-Hymne zum vorerst letzen Mal erklang. Borussia spielte gegen den englischen Top-Klub Manchester City, am Ende hieß es 1:1. Zu wenig für die „Fohlen“, die in der damaligen Vorrundengruppe am Ende nur den vierten und damit letzten Platz belegten; das Abenteuer Europa war für die Niederrheiner damit beendet. Am 27. Oktober 2020, knapp vier Jahre später, wird die Hymne wieder zu hören sein: Borussia erwartet Real Madrid zum Heimspielauftakt in der diesjährigen Champions League-Saison.

Die Mannschaft von Trainer Marco Rose hatte sich in der vergangenen Bundesligasaison als Tabellenvierter erneut für die Königsklasse qualifiziert, und neben den „Königlichen“ aus Madrid wartet mit Inter Mailand ein weiteres internationales Schwergewicht auf die Gladbacher. Dritter Gegner in Vorrundengruppe vier ist Schachtar Donezk – nicht so ein klangvoller Name wie Real oder Inter, dafür wohl umso unangenehmer zu bespielen.

Für Borussia begann der internationale Wettbewerb am Mittwoch mit einem Auswärtsspiel bei Inter Mailand. Borussia spielte fehlerbehaftet, ging aber fünf Minuten vor Schluss nach einem genialen Pass von Florian Neuhaus durch Jonas Hofmann, der mutterseelenallein vor Inter-Keeper Handanovic auftauchte und diesen tunnelte, mit 2:1 in Führung. Dass Borussia postwendend im Gegenzug nach einer Ecke den 2:2-Ausgleich durch den zweiten Treffer von Lukaku kassierte, war mehr als ärgerlich, weil der Standard nicht richtig verteidigt wurde – am Ende haben die Fohlen aber einen nicht unbedingt erwarteten Punkt auf dem Konto.

Inter gegen Borussia – da war doch was? Richtig, der legendäre „Büchsenwurf“! Das, was am 20. Oktober 1971 passierte, dieses unfassbare 7:1 der Borussen gegen Inter, gehört zur Allgemeinbildung am Niederrhein. „Seitdem ich in Gladbach bin, umschwirren uns der Name Boninsegna und diese Geschichte, die sich damals ereignet hat“, gesteht Manager Max Eberl. Wegen einer Blechdose, die den italienischen Stürmer touchierte, wurde das Spektakel der Gladbacher annulliert.

Inter gilt weiterhin als das stärkste Team aus dem dritten Topf. Dass Borussia gegen die Mailänder zum Champions League-Auftakt mithalten konnte, ist daher ein gutes Zeichen. In der vergangenen Saison kam die Mannschaft von Trainer Antonio Conte bis ins Europa-League-Finale, wo es durch den Doppelpack des Ex-Gladbachers Luuk de Jong besiegt wurde. Mit Romelu Lukaku spielt einer der besten Stürmer Europas bei Inter. Der 85-Millionen-Euro-Mann ist dann auch der größte Star im 700 Millionen Euro teuren Kader.

Am kommenden Dienstag gibt dann ein weiteres europäisches Top-Team seine Visitenkarte im Borussia-Park ab: Real Madrid. Wahlweise als „Die Königlichen“ oder „Die Galaktischen“ betitelt, haben die Spanier allein in den vergangenen sechs Jahren viermal die Champions League gewonnen. Zinedine Zidane ist der Trainer von Real, einer der größten Fußballer aller Zeiten. Und dann sein Kader, der einen Wert von fast 900 Millionen Euro hat. Angeführt wird das Ensemble vom knallharten Sergio Ramos, dem großen Vorbild von Borussias Verteidiger Nico Elvedi. Dann sind da Marcelo, Casemiro, Luca Modric, Toni Kroos, Eden Hazard, Karim Benzema – einige der besten Kicker in Europa. Seit dem Abgang von Cristiano Ronaldo 2019 fehlt vielleicht der ganz große Glanz früherer Jahre. Aber: Real steht für Teamwork auf höchstem Niveau. Und: Wie Marco Rose in Gladbach hat Zidane ein Team, das sich im Vergleich zur Vorsaison kaum verändert hat. Das bedeutet, dass viel Erfahrung im Team ist, gerade in der Champions League.

Läuft alles wie erwartet, wird es für Borussia gegen Schachtar Donezk um den dritten Gruppenplatz und damit die Qualifikation für die Europa League gehen, um das große Ziel – in Europa überwintern – zu erreichen. Die Ukrainer sind viermal in Folge Meister geworden, haben in neun von elf Jahren den Titel geholt. Längst hat Donezk das große Dynamo Kiew als Primus des Landes abgelöst.

Warum macht Schachtar so vielen Gegnern das Leben schwer? Elf Brasilianer stehen im Kader, dazu neben Ukrainern nur noch ein Israeli und ein Georgier. Diese Mischung aus resoluten Kämpfern und feinen Technikern ist unangenehm und schwer auszurechnen. Der Blick auf die Kader zeigt auch, dass Borussias doppelt so teuer ist: Bei Donezk haben nur die Brasilianer Tetê, Ismaily und Dodô einen Marktwert von mindestens zehn Millionen Euro. Borussia hat fünf Spieler, die 30 Millionen und mehr wert sind.