Kabinenpredigt: Ein schmaler Grat

Kabinenpredigt : Ein schmaler Grat

Die Super-Optimisten jubeln: Der Kampf um die Meisterschaft ist so gut wie entschieden. Ein Favre würde sagen: Es fehlen nur noch neun Punkte bis zum Klassenerhalt. Gewiss, beide Aussagen sind überspitzt, aber in der Mitte liegt meist die Wahrheit.

Nach dem Sieg über die Bayern muss Borussia den schmalen Grat zwischen gesundem Selbstbewusstsein und Überheblichkeit meistern. Wie schwer das in der heutigen Zeit der Schwarz-Weiß-Malerei ist, zeigen die aktuellen Auswüchse in den Medien. „Lebensbejahenden Fußball“ lasse Marco Rose spielen, jubelte am Samstag ein TV-Reporter. Mal abgesehen von der Frage, was das genau sein soll oder wie dann „lebensverneinender Fußball“ aussieht, laufen die Gladbacher Gefahr, zu sehr hochgejubelt zu werden. Am Samstag waren die Bayern über 60 Minuten das dominierende Team, und nur ihre klägliche Chancenverwertung und Yann Sommers Mittelfinger verhinderten eine Niederlage. In den sozialen Medien kursiert eine Fotomontage mit Rose und der Meisterschale. Noch zeigen weder Mannschaft noch Trainerstab noch Management Anzeichen von Übermut. Größtes Pfund des Trainers ist dabei die Breite des Kaders: 18 Spieler kann er bedenkenlos einsetzen, ohne einen Qualitätsverlust befürchten zu müssen. Selbst ein 34-jähriger Raffael, der in den ersten Monaten nicht über eine Statistenrolle hinauskam, wird spät gegen die Münchener eingewechselt und ist entscheidend am letzten Angriff beteiligt, der am Ende den 2:1-Siegtreffer bringt. Wer spielen will, muss also jeden Tag im Training Leistung bringen – gut für Qualität und Mentalität im Team! Morgen Abend nun kann Mönchengladbach im Heimspiel gegen Istanbul den Einzug in die nächste Runde der Europa League klar machen, danach stehen noch drei Bundesligaspiele bis zur Winterpause an. Sie werden zeigen, wie die Mannschaft mit ihrer Rolle als Meisterschaftsanwärter – denn das ist sie spätestens nach dem Sieg gegen die Bayern in einer ausgeglichenen Bundesliga-Saison ohne Zweifel– umgeht.

Sie sind anderer Meinung? Diskutieren Sie mit – auf www.facebook.com/MeineWoche/